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Geht doch liefert Geschichten und Motivation

Vordenken und Querdenken

Entgegen dem landläufigen Eindruck vom schlechten Zustand der Welt und der weitverbreiteten Krisenstimmung zum Trotz passiert jede Menge Gutes. Immer mehr Menschen beginnen, anders zu leben. „Wie alle Pioniere haben sie den Mut, ausgetretene Denk- und Handlungspfade zu verlassen, unliebsame Wahrheiten auszusprechen und unorthodoxe Lösungswege zu beschreiten“, schreibt Anke Oxenfarth im Editorial des Jubiläumsbandes “Geht doch!” anlässlich des 30. Geburtstages der Zeitschrift „politische ökologie“. „Geschichten, die zum Wandel anstiften“, so der Untertitel, versammelt 30 spannende, zukunftsweisende Projekte gelebter ökologischer Verantwortung. Beigesteuert allesamt von AutorInnen der „pö“, wie die Publikation unter KennerInnen bezeichnet wird, können diese Projekte stellvertretend für viele andere auf der Welt genannt werden, aber auch zur Nachahmung anregen.

Einige ausgewählte Artikel seien exemplarisch genannt. Claudia Kemferts Beitrag „Die Energiewende ist ein Friedensprojekt“ geht davon aus, dass uns Energiekrise undKlimawandel dauerhaft begleiten werden. Sich beiden intensiv zu widmen sei daher ein Auftrag im Sinne globaler Gerechtigkeit. Sie berichtet vom Unternehmen Mobisol aus Berlin, das Solaranlagen in Afrika auf der Basis kleiner, handlicher Batterien verkauft. „Durch die Einführung von mobilen Solarzellen konnte [Mobisol] seit 2010 bereits 400.000 Menschen in Ruanda, Tansania und Kenia mit Strom versorgen.“ (S. 72) Ein anderes Anliegen verfolgt Ute Scheub. Sie will die grassierende Politikverdrossenheit durch „Direkte Demokratie, Volksabstimmungen, Partizipation und Gestaltungsmacht für Bürgerschaften, vom kleinsten Dorf aufwärts bis in die EU“ retten (S. 35). Die Publizistin fordert neben der Einführung von Losverfahren und die Einrichtung von Bürgerräten die zivilgesellschaftlichen Organisationen auf, viel lauter als bisher neue Mitmachformen einzufordern.

Das Buch zeigt: Geht doch! 

Angela und Karlheinz Steinmüller erfreuen uns mit einer Tagebuchnotiz aus dem Jahr 2047 mit Hinweisen auf einen Infodienst namens „pö-nibel“, der mit Nachhaltigkeitstipps punktet. Klaus Burmeister wiederum beschäftigt sich mit dem notwendigen Übergang in eine postfossile und intermodale Mobilität. Im Beitrag von Jürgen Maier geht es um Neunkirchen im Hunsrück, wo von den 17 Nachhaltigen Entwicklungszielen bereits fünf umgesetzt wurden, noch bevor die Vereinten Nationen 2015 die Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) ins Leben riefen. Das Dorf bringt die Energiewende voran und forciert regionale Kreisläufe. Torsten Schäfer infomiert über „Die grünen Seiten der Transformation“ und hält fest, dass die Zahl umweltjournalistischer Projekte steigt und immer mehr Medienschaffende in sozial-ökologischen Bezügen denken. „Zunehmend sind auch grüne Online-Portale wie Utopia.de, Klimaretter.info oder WiWoGreen.“ (S. 63) Das „Netzwerk Weitblick“ setzt sich seit 2015 für Nachhaltigkeit im Journalismus ein. Schließlich formuliert Harald Welzer ein gesellschaftspolitisches Programm für die kommenden 30 Jahre,  das von einem neuen Realismus getragen ist. Wir brauchen eine Kultur des Weniger, ist er überzeugt. „Nachhaltigkeit und permanent steigender materieller Lebensstandard schließen sich aus.“ (S. 150) Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Wir brauchen eine Politisierung des Nachhaltigkeits-, Klima- und Ökologiediskurses. Alfred Auer

 

Bei Amazon kaufenGeht doch! Geschichten, die zum Wandel anstiften. Hrsg. v. oekom e.V.- Verein für ökologische Kommunikation. München: oekom, 2017, 153 S., € 17,95 [D], 18,50 [A] ISBN 978-3-96006-020-8

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