Das Kapital im 21. Jahrhundert

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Thomas Pikettys Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ ist eines der einflussreichsten Werke der Gegenwart. Piketty thematisiert darin die Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft und konzentriert sich dabei auf das Thema der Ungleichheit.

Der Autor zeichnet die Entwicklung der Ungleichheit in der Geschichte nach. Er konzentriert sich dabei auf die letzten 200 Jahre. Sein besonderes Interesse gilt den Jahren nach 1955. Für die Zeit vor diesem Jahr greift er vor allem auf die Arbeit von Simon Kuznet zurück, der damals den Rückgang der Ungleichheit poslulierte.

Piketty erklärt, dass er die Zeitreihen Kuznets fortschreibt und ihnen andere Daten zur Seite stellt. Diese Zeitreihen führt er dann bis in die Gegenwart herauf. Dabei kommt Piketty zu dem Ergebnis, dass die Ungleichheit seit den 1970er-Jahren wieder deutlich zunimmt.

Er zeigt dies anhand der Entwicklung der Einkommen und auch der Vermögen. Viel Platz ist in dem Buch der Frage der Zulässigkeit von Daten gewidmet. Besonders schwierig zu erfassen sind Vermögensdaten. Piketty leitet diese unter anderem aus Steuereinnahmen ab.

Dies Zunahme der Ungleichheit begründet der an der Paris School of Economics lehrende Autor mit dem Phänomen, dass die Kapitalrentabilität höher ist als das Wirtschaftswachstum. Dies wird in der Formel r > g ausgedrückt. Wenn Kapital sich schneller vermehrt als die gesamten ökonomisch erfassten Werte der Gesellschaft, so muss dies auf Kosten anderer Wohlstandsquellen gehen.

Dieses Phänomen r > g ist für Piketty kein Naturgesetz, sondern „immer eine politische, chaotisch und unvorhersehbare Geschichte“ (S. 57). Die Politik schafft die Rahmenbedingungen, Kriege sorgen für Unterbrechungen, Zunahme oder Abnahme der Ungleichheit sind beeinflussbare Größen. Im Hintergrund sieht Piketty auch mögliche Triebkräfte, die dafür sorgen, dass Ungleichheit reduziert wird. Dies sind für ihn vor allem die Verbreitung von Wissen und Bildung. Da kann die Politik eingreifen.

Piketty wirbt für eine Besteuerung von Kapital, um das akutuell eklatante Missverhältnis zu brechen. Um dies zu erreichen, sieht er die Notwendigkeit eines sehr hohen Maßes an internationaler Koordination und regionaler politischer Integration. Diese Besteuerungslösungen liegen „nicht in der Reichweite der Nationalstaaten, in deren Grenzen frühere soziale Kompromisse ausgehandelt wurden.“ (S. 787)

Die Debatte über Pikettys voluminöses Buch ist facettenreich. Die wichtigste Kritik kam von Chris Giles von der Financial Times. Er warf Piketty vor, Fehler beim Übertragen und bei der Auswahl von Daten gemacht zu haben. Würde man diese Fehler korrigieren, so wäre in einer (relevanten) Tabelle der Anstieg der Ungleichheit nicht mehr messbar. Piketty wies die Kritik zurück und betonte, dass das alternative Datenset ebenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss sei, und es methodische Argumente für seine Vorgangsweise gibt. Die New York Times zog nach einiger Zeit Bilanz dieser Auseinandersetzung: Sowohl die Argumente von Giles als auch von Piketty seien respektabel. Grundsätzlich aber ist festzuhalten, dass diese Kontroversen das zentrale Argument Pikettys oder gar das Fundament seiner These nicht erschüttern können. Stefan Wally

Piketty, Thomas. Das Kapital im 21. Jahrhundert. München. C.H. Beck. 811 S. € 30,80 [D], 31,70 [A], sFr 46,20 ISBN 978-3- ISBN 978-3-406-67131-9

 

 

 

 

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