To big to tell

tobigtotellWie entsteht Geld? Was ist Geldschöpfung? Wie viel Geld gibt es und wer hat es? Was verleiht die Bank bei einer Kreditvergabe? Wie lange gibt es Finanzkrisen bereits und wie wird jene von 2008 erklärt? Und wie sollen wir da heraus kommen? Welche Machtstrukturen verhindern, dass es zu einem transparenten und den BürgerInnen dienenden Geldsystem kommt? Diese und weitere Fragten stellt die Filmemacherin Johanna Tschautscher in „To big to tell“. Sie interviewt Finanzexperten wie Dirk Sollte von der Universität St. Gallen oder Friedrich Schneider von der Wirtschaftsuniversität Wien, die Vertreterin eines alternativen Geldsystems Margret Kennedy, den Wirtschaftspublizisten Wolfgang Kessler oder den grünen EU-Parlamentarier Sven Giegold. Deutlich werden Phänomene wie die Aufblähung des Geldvolumens durch die Hebelwirkung bei der Kreditvergabe (nur 10 Prozent der von den Banken vergebenen Kredite müssen durch Sparguthaben gedeckt sein, der Rest ist „Geldschöpfung“ sowie des Finanzsektors durch die Verlagerung des Kapitals von Realinvestitionen in Finanzspekulationen. Deutlich wird auch, dass die Versuche der Regulierung des Finanzsystems zwar gegeben sind (so hat die EU nicht nur neue Gesetze ausgearbeitet, sondern mit FinanceWatch auch eine als NGO organisierte Beobachtungsstelle forciert), aber wohl nicht reichen.

Finanzpolitische Alphabetisierung

Der Film versucht in der Tat Licht ins Dunkel des Finanzgeschehens zu bringen und trägt damit ein Stück weit zu finanzpolitischer Alphabetisierung bei, doch gänzliche Klarheit bringen die Gespräche mit den Experten nicht, darauf geht die Filmemacherin auch explizit ein (und auch der Titel des Films verweist darauf). Tschautscher bleibt somit am Ende etwas resigniert zurück. „Nach zahlreicher Lektüre wissen wir nun hunderte Details und kennen diese Sprache“, so schreibt sie am DVD-Cover, doch „diese Erklärungen und die Suche nach Veränderung fordern das Menschliche nicht mehr ein“. Was eben eine Wirtschaft im Dienste der Grundbedürfnisse aller Menschen bedeutete. Offensichtlich wären hier radikalere Einschnitte von Nöten, etwa die Trennung in „Dienstleistungsbanken“, die der Kreditvergabe im Sinne des Gemeinwohls dienen, und Privatbanken, die weiter spekulieren dürfen, jedoch nicht mehr mit staatlicher Hilfe rechnen dürften („To big to tell“), wie etwa Christian Felber s. PZ 2014/3) fordert. Der Film betreibt aber dennoch ein wichtiges Stück Aufklärung, allein schon weil er zeigt, welches für die Gesellschaft gefährliche Eigenleben der Finanzsektor entwickelt hat. Die kabarettistischen Einschübe von Günther Lainer unterstreichen das Absurde und Unsagbare der tagtäglich mit Milliarden von Dollar, Euro oder Yen jonglierenden Banker und Finanz“dienstleister“.

Die BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG IN BONN hängt den Film “Too BIG To Tell” an ihre Unterrichtsmaterialien für “Ökonomie und Gesellschaft 2015” an. Sie produzieren 5000 Kopien. Ab Jänner 2015 kann das Unterrichtsmaterial und der Film bei DAS UNTERRICHTSMATERIAL “Ökonomie und Gesellschaft” auf der Seite www.bpb.de/shop erworben werden. Dabei ist es nicht entscheidend, aus welchem Land die Bestellung kommt.

Hans Holzinger

 

Tschautscher, Johanna; Lainer, Günther: To big to tell. Recherchen in der Finanzwelt. DVD 2014, 112 min. Mehr: www.tschautscher.eu

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