Säkularisierung und Wertwandel

Vor dem Hintergrund abnehmender sozialer Verbindlichkeit religiöser Wertvorstellungen suchen Mitglieder der jesuitischen Forschungsgruppe EUROJESS die Rolle der Religion in Gegenwart und Zukunft zu bestimmen. Nach Vorherrschaft politischer und ökonomischer Kategorien sozialen Handelns diagnostiziert Jean Raes den Wert der Freiheit als Mittelpunkt einer wachsenden »Kulturgesellschaft«. Kultur wird immer weniger als Erbe verstanden, sondern bedeutet, »dass jeder Mensch selbst die Möglichkeit hat, seinen Standpunkt zu bestimmen, die wirkliche und imaginäre Welt, die er mitgestaltet, zu verstehen und in ihr zu handeln«. Eben diese Freiheit erschließt dem Glauben neue Bereiche abseits sozialer Normen. Während Paul Valadier die Legitimationskrise von Macht und Moral auf das Fehlen religiöser Direktiven zurückführt, plädiert Walter Kerber für eine neue, schöpferische Synthese von Glauben und Wissenschaft, um die potentielle Bewusstseinsspaltung zu überwinden, mit der gläubige Christen vielfach zu leben hätten. Statistisch fundierte Analysen zur Bedeutung religiöser Werte in Europa sowie EinzeIuntersuchungen zur Rolle des Glaubens in Spanien, Frankreich und Ungarn deuten, jeweils differenziert, die Möglichkeit einer solchen Vermittlung an.  Vom kultursoziologischen Beitrag Jean Raes’ abgesehen, werden Perspektiven religiöser Integration zwar angedeutet, aber nicht ergiebig behandelt.

Säkularisierung und Wertwandel. Analysen und Überlegungen zur gesellschaftlichen Situation in Europa. Hrsg. v. Walter Kerber. München: Kindt, 1986. 119 S. (Fragen einer neuen Weltkultur;2) 

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