Robert Jungk: Der Doppelblick

Robert-Jungk-EditorialEditorial aus der proZukunft-Ausgabe 1987/3:

»Weshalb sind fast alle Voraussagen der Zukunftsforscher so pessimistisch?« werden wir oft gefragt und dahinter steckt der Verdacht, wir sähen hauptsächlich deshalb dunkle Wolken am Horizont, weil das mehr öffentliche Aufmerksamkeit bringe als »gute Nachrichten«. Das ist ein ungerechter Vorwurf. Denn in Krisenzeiten sind Lichtblicke seltener und daher aufregender als Hiobsbotschaften und Kassandra-Weissagungen. Wenn das »Prinzip Hoffnung« heute unglaubwürdig geworden ist, so liegt das an den Enttäuschungen, die wir alle nach Jahrzehnten fast ungebrochenen Fortschrittsglaubens erlebt haben. Es wäre aber verhängnisvoll, wenn nun die Mode eines naiven Optimismus durch einen ebenso naiven Pessimismus abgelöst würde. Wir wollen in »Pro Zukunft« einen Doppelblick auf die für die Welt von morgen bestimmenden Ereignisse werfen und sowohl das Bedrohende wie das Rettende in der Fülle der Veröffentlichungen entdecken, die sich mit den Sorgen und den Hoffnungen an der Jahrtausendwende beschäftigen.

Von Robert Jungk

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