Robert Jungk: Das Leben bewahren

1987_2-Robert-Jungk-EditorialEditorial aus der proZukunft-Ausgabe 1987/2:

In ihrer ersten Phase beschäftigte sich die Literatur über Zukunftsfragen vorwiegend mit den Chancen und Aussichten des technischen Fortschritts. Je deutlicher die Gefährdungen werden, die von dieser Entwicklung ausgehen, desto häufiger erscheinen nun Bücher und Artikel, die sich der Zukunft des Lebendigen widmen. Sowohl die Zahlreichen, die sich in Wort und Schrift für die Verteidigung der bedrohten Schöpfung und ihrer Geschöpfe einsetzen, wie die noch Seltenen, die sich bemühen, Entwürfe für eine gewandelte lebensfähige und lebenserhaltende Gesellschaft zu skizzieren, gewinnen zunehmend Einfluss auf eine von den alten Allmachtsvorstellungen enttäuschte und ratlose Gesellschaft. In den ersten Jahrzehnten nach Ende des zweiten Weltkrieges waren solche Gedanken noch nicht gefragt. Man meinte, Ideologen, Ökonomen und Konstrukteure seien die Gestalter der »Welt von morgen«. Nun sind Biologen, Psychologen und Philosophen gefragt nach Wegen, die weg von Abgründen in neues Land führen könnten. Ein beachtenswerter Tendenzwechsel, den wir als Beobachter der Zukunftsliteratur festzustellen meinen.

Von Robert Jungk

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