Praktische Naturphilosophie für die Umweltpolitik

Ausgangspunkt für Meyer-Abichs »Wege zum Frieden mit der Natur« ist die Kritik am anthropozentrischen Weltbild der Industriegesellschaft. Der Mensch als Maß aller Dinge – diese heute noch geltende Weitsicht – bedarf dringend der Korrektur durch eine physiozentrische Wertorientierung. Die Umwelt muss als Mit-Welt begriffen werden; eine Wandlung des Denkens in allen Bereichen wird als unumgänglich angesehen. Die eigentliche Ursache der Umweltzerstörung ist für Meyer-Abich der in der Aufklärung begründete Absolutismus, dass alles, was nicht Mensch ist, für den Menschen” da, und nach seinen Bedürfnissen zu bewerten sei. Neben die philosophische Analyse aus Sicht einer ~praktischen Naturphilosophie« stellt der Autor Vorschläge einer Politik, die – auf der Basis der gegenwärtigen sozialen und moralischen Verhältnisse in der Bundesrepublik – der natürlichen Umwelt Eigenrechte zuerkennt. Das Fundament einer künftigen Umweltpolitik sieht der Verfasser in einem Friedensschluss mit der Natur. Aber bereits dieser Minimalforderung stehen einige gravierende Hindernisse entgegen: das Ende der Zerstörung kann nicht einfach durch die Erhaltung des Bestehenden herbeigeführt werden; die derzeitige Wirtschaft lebt weitgehend von der Umweltzerstörung. Gibt es also bei dieser elementaren Forderung nach der Bewahrung unseres Lebensraumes schon Schwierigkeiten, so geht Meyer-Abich doch auch einen entscheidenden Schritt weiter: Die Erhaltung des Bestehenden ist zu wenig. Die natürliche Umwelt ist schon in einem Ausmaß in Mitleidenschaft gezogen, dass Wiedergutmachung zum Gebot der Stunde wird.

Meyer-Abich, Klaus M.: Wege zum Frieden mit der Natur. Praktische Naturphilosophie für die Umweltpolitik. München: Dt. Taschenbuch Verl., 1986.321 S. (dtv Sachbuch) 

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