Wie Männer die Frauen für sich arbeiten lassen

Männer sind für die Autorin das faule Geschlecht, und das, obwohl in den letzten 20 Jahren wesentliche Schritte zur Gleichstellung der Geschlechter in Bezug auf Arbeitsteilung und Partnerschaft festgeschrieben wurden. Die Ergebnisse einschlägiger Studien, Untersuchungen, Statistiken und Befragungen, die die Journalistin Claudia Pinl vorlegt, belehren uns aber eines Besseren. “Frauen, die Hälfte der Weltbevölkerung, erzeugen 80% der WeItnahrungsmittel, verrichten zwei Drittel der Weltarbeitsstunden, erhalten 10% des Welteinkommens und besitzen 1% des Weltvermögens. “

Trotz gesetzlicher Gleichstellung drücken sich Männer sowohl von der Arbeit im Haus (Putzen, Waschen, Kochen) als auch vor der Beziehungsarbeit (Versorgung der Kinder, Pflege der Alten). “Wie eh und je zeigen Männer ein starkes Unbehagen beim Umgang mit Textilien, insbesondere wenn diese feucht sind.” Dreiviertel der vollerwerbstätigen Ehefrauen machen die Hausarbeit überwiegend alleine. Die amtliche BRD-Statistik weist eine wöchentliche Arbeitszeit des Mannes von 47,65 Stunden, der Frauen von 63,50 Stunden aus. 92 % aller Männer mit Partnerin fühlen sich durch Hausarbeit kaum belastet.

In ihrer teils polemischen Beweisführung lässt Claudia Pinl aber auch die Frauen nicht ungeschoren. Sie wirft ihnen vor, zu schnell auf die männliche Bequemlichkeit einzugehen und diese sogar zu unterstützen. Sie schlägt vor, Partnerschaftsverträge abzuschließen, die eine ausgewogene Arbeitsteilung festlegen und nach der Geburt von Kindern auch den Mann verpflichten, Erziehungsurlaub zu nehmen. Ein weiteres Argument bezieht sich auf die verstärkte Möglichkeit der Teilzeitarbeit für Männer. Vom Staat fordert sie eine Unterstützung dieser Vorschläge durch Erhöhung des Erziehungsgeldes. Kompromisslos erwartet sie von den Frauen selbst die Um- und Durchsetzung ihrer Vorstellungen, nur so könne es zu einer gerechteren Arbeitsverteilung zwischen den Geschlechtern kommen.

Eine nicht nur für Männer “nützliche” Lektüre, da Pinl lebensnah zeigt, dass die neue Männergeneration im Großen und Ganzen immer noch die alte ist.

A.A.

Pinl, Claudia: Das faule Geschlecht. Wie die Männer es schaffen, Frauen für sich arbeiten zu lassen.
Frankfurt/M.: Eichborn, 1994. 1905., DM 24, – / sFr 22,10/ öS 187  

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