Umweltschutz wird noch immer überwiegend mit Mülltrennen assoziiert – und zwar gleichermaßen bei Jugendlichen, LehrerInnen wie Eltern. Bei den Erwachsenen spielt auch der Aspekt „Sauberkeit und Ordnung“ eine wesentliche Rolle. So der zentrale Befund der vorliegenden Studie, die auf empirischen Erhebungen (Fragebogen ergingen an 4 ausgewählte Schulen sowie an 2000 Jugendliche in ganz Österreich) und auf qualitativen Interviews beruht. Neben der begrenzten Wahrnehmung der Nachhaltigkeitsthematik – Ausnahmen bilden „engagierte“ LehrerInnen, die vielfältige Themen in den Unterricht einbringen – sehen die Autorinnen in den Ergebnissen ein weiteres Problem: „Die Umwelt zu schützen nimmt demnach für die Kids einen deutlich normierten Charakter an, wodurch umweltbewusstes Handeln als Pflichterfüllung gilt.“ (S. 107) Positive Werte wie Schönheit, Freiheit, Lebenslust etc. würden nicht assoziiert, außer es handelt sich dabei um Flora und Fauna. Umwelt ist für die Jugendlichen dann vor allem Natur, etwa als Erlebnisraum Wald; die Stadt ist negativ konnotiert: Lärm, viele Autos, viel Müll.

 

Die wenigsten Jugendlichen haben – so ein weiteres Ergebnis – ihr Umweltwissen in ein umweltbezogenes Verhalten integriert. Vernetztes Denken und Handeln wird lediglich bei den wenigen „Lebensstilpionieren“ gesehen: „Diese haben ein differenziertes Verständnis der Welt und zeichnen sich durch zusätzliches Wissen über erneuerbare Energien, Klimawandel, fairer Handel etc., das sie auch miteinander verknüpfen können, aus.“ (S. 62) Die Hauptinformationsquellen der Jugendlichen für Umweltthemen sind Internet und Fernsehen, Lehrbücher spielen eine untergeordnete Rolle. Das größte Vertrauen hinsichtlich Informationen wird den Lehrpersonen sowie den NGOs entgegengebracht, weniger gut schneiden Politik und Medien ab.

 

Interessant sind auch die Antworten der Erwachsenen auf Handlungsmöglichkeiten, die im Mülltrennen wohl gesehen werden, nicht mehr aber dort, wo größere Umstellungen, etwa der Umstieg auf den Öffentlichen Verkehr, erforderlich wären. Diffus bleibe – so die Autorinnen – auch die Einschätzung systemischer Einflussnahme bzw. Macht durch Politik und Wirtschaft. Und da die Befragten „sich selbst auch nicht als Systemerhalter sehen (z.B. durch ihre Konsumentenrolle), erleben sie sich selbst auch als machtlos.“ (S. 101)

 

Die Untersuchung zeigt, dass im Bereich der Nachhaltigkeitsbildung noch viel zu tun ist. Neben neuen Unterrichtsinhalten kommt dabei auch dem Verhalten (sowie den Wahrnehmungen) der Erwachsenen und der Thematisierung von Nachhaltigkeit in den Medien eine wichtige Rolle. H. H.

 

Kromer, Ingrid; Hatwagner, Katharina: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Vom Umweltinteresse zur nachhaltigen Umweltkompetenz. Wien: Österreichisches Institut für Jugendforschung, 2005. 148 S., € 17,50

 

ISBN3-09502020-1-3