Demografische, sozialstrukturelle und soziokulturelle Entwicklungen führen seit jeher zu Veränderungen in der touristischen Nachfrage. Herausforderungen wie Krieg, Terrorismus und extreme Wetterereignisse demonstrieren nachdrücklich, wie verletzlich die Boombranche Tourismus ist. Vor diesem Hintergrund wurde das Büro für Technikfolgenabschätzung mit der Durchführung eines umfassenden Projektes beauftragt, das die Frage klären sollte, wie sich unter den genannten Rahmenbedingungen (Globalisierung, sozidemografischer Wandel, strukturelle weltweite Unsicherheit) und Trends die Nachfrage- und Angebotsstrukturen im Tourismus zukünftig entwickeln könnten. Der Schwerpunkt wurde dabei auf den Urlaubs-Tourismus der Deutschen bzw. des Tourismus in Deutschland gelegt.

 

Durch die Veränderung der Altersstruktur, so ein erster zentraler Befund, gibt es  längerfristige Wachstumspotenziale. Dabei ist „die Frage, wann und wie sich die Reisegewohnheiten und –erfahrungen der heutigen jüngeren und mittleren Altersgruppe auf das Reiseverhalten im Alter auswirken werden, für die Zukunft des Deutschandtourismus von zentraler Bedeutung“ (S. 8). Auch die touristische Produktgestaltung und –vermarktung wird sich auf zunehmend ältere Kunden einstellen (müssen). Insgesamt ist die Einschätzung der zukünftigen Entwicklung des Seniorentourismus aber mit großen Unsicherheiten behaftet. Positive Impulse („prinzipiell große Potenziale“) erwarten sich die Forscher des TAB von der EU-Erweiterung sowohl was Deutschland als auch die neuen EU-Länder als Ziele angeht.

 

Was nun die (Un-)Sicherheit, die Risiken und Krisen im Tourismus angeht, werden diese Themen zunehmend für alle relevant.

 

 

 

„Heute ist in allen touristischen Zielgruppen ein großes Sicherheitsbedürfnis erkennbar“. (S. 13)

 

 

 

Zugleich aber wird festgestellt - und davon kann sich jeder selbst überzeugen -, dass die Wahrnehmung von Bedrohung bei Reisewilligen nach einem konkreten (Krisen-) Ereignis schnell wieder nachlässt. Eine Erhebung für die Reisesaison 2005 ergab, dass nur 1% der Befragten in diesem Jahr ein anderes Reiseziel als das ursprünglich geplante wählen, 1% verzichtete auf Grund der Flutkatastrophe in Südostasien auf eine Reise, 3% sind in ihrem Verhalten noch unschlüssig, aber 95% ändern ihre Urlaubspläne überhaupt nicht. In punkto Sicherheit wird künftig die Risikokommunikation vielfältigere bzw. neue Funktionen übernehmen. „Hierbei sollte – unter dem Gesichtspunkt der Risikovorsorge und eines bewussten Umgangs mit Risiken – die aufklärende Funktion mehr im Vordergrund stehen.“ (S. 16) Im Hinblick auf die Risikotrends (Luftverkehrssicherheit, Risikoprävention und Gefahrenabwehr im Hotel- und Gaststättengewerbe) wird auch ein veränderter Bedarf an Versicherungen festgestellt.

 

Hinsichtlich des Klimawandels und von Naturkatastrophen ist der Tourismus einerseits besonders betroffen, andererseits ist er als Mitverursacher des anthropogenen Treibhauseffektes aus ureigenem Interesse angehalten, einen wesentlichen Beitrag zu dessen Reduktion zu leisten.

 

Für die Tourismuswissenschaft werden anhand der drei zentralen Parameter konkrete Maßnahmen vorgeschlagen. In Anbetracht des demografischen Wandels wird ein Monitoring verschiedener Altersgruppen (Reisemotive, Einkommensentwicklung) vorgeschlagen; die EU-Erweiterung sollte zu einem intensiven Dialog zwischen Politik und Wissenschaft führe; im Bereich der Risiko- und Folgenforschung wird die Entwicklung von Szenarien und Fallanalysen für verbesserte Risikokommunikation empfohlen. Zur Koordinierung von Forschungsthemen und –vorhaben sollte eine so genannte (noch zu gründende) „Koordinierungsstelle Touristische Zukunftsforschung“ v. a. die Aufgabe der Strukturierung interdisziplinärer Ansätze haben. Darüber hinaus werden praxisnahe und weniger wissenschaftlich abgehobene Trendanalysen für die verschiedenen touristischen Segmente gefordert. A. A.

 

Petermann, Thomas, Revermann, Christoph; Scherz, Constanze: Zukunftstrends im Tourismus. Endbericht. TA-Projekt. Karlsruhe: Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Dt. Bundestag, 2005. 196 S. (Arbeitsbericht; 101)