Peter Hennicke, Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie, und Michale Müller, Energieexperte der SPD, geben in dieser Abhandlung einen ausführlichen und gut illustrierten Einblick in das Thema „Energie“ zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Unterstützt werden sie dabei von einem Expertenteam des Wuppertal-Instituts.

 

Skizziert wird zunächst ein „harter Pfad“ der Energiezukunft, bestimmt von traditionellem Wirtschaftswachstum und dem Leitziel großtechnischer Nutzung von Kohle, Kernenergie und Erdgas. Der Zubau von Kernkraftwerken dämpft den Anstieg von Klimagasen nur unzureichend, verschärft aber die Risiken des Nuklearkreislaufs, der Proliferation und des terroristischen Missbrauchs. Der Naturverbrauch steigt weiter an. Eine Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Ressourcen findet nicht statt.

 

Dem wird ein „sanfter Pfad“ der Energiezukunft entgegengestellt: Eine auf 10 -12 Mrd. Menschen anwachsende Weltbevölkerung kann langfristig mit erneuerbaren Energien versorgt und ein auskömmlicher Lebensstandard für alle Menschen gesichert werden. Entscheidende Voraussetzung dafür ist, dass der rationellen Energieumwandlung und Nutzung weltweit Priorität vor der Energieerzeugung eingeräumt wird. Durch Einsparung und Streckung fossiler Energien bleibt das Klima stabil; die fossilen Rohstoffe für die Petrochemie werden für kommende Generationen erhalten. Kriege um Öl und Erdgas werden unwahrscheinlich, die riskante Erblast der nuklearen Stromerzeugung kann begrenzt werden.

 

Die Autoren beschreiben im Hauptteil drei „Scheidewege“, vor denen wir stehen: 1.) jenen des Verhältnisses von Energie und Umwelt, die auf den Klimawandel zum einen, das erneute Setzen auf Kernenergie zum anderen bezogen sind. 2.) den Scheideweg im Kontext von Energie und Frieden, der sich im Umgang mit dem „Ende der billigen Energie“ zeigen werde und in verschärfte Ressourcenkriege münden könnte. 3.) den Scheideweg  in Bezug auf Energie und Demokratie. Dabei werden Trends wie die „Verölung“ der Politik in den USA, die Renationalisierung der russischen Energiewirtschaft oder die fragwürdige Demokratietauglichkeit der Atomkraft diskutiert.

 

Im letzten Abschnitt schließlich werden Elemente einer nachhaltigen Weltenergiepolitik sowie konkrete Zukunftspfade für Deutschland erörtert. Die Experten sind überzeugt, dass ein „sanfter Energiepfad“ in die Zukunft möglich ist: „Zwar sind gewaltige Anstrengungen notwendig, aber die Techniken, die Politiken und die Verhaltensmuster in einem nachhaltigen Energiesystem sind bereits im Prinzip bekannt.“ (S. 19). H. H.

 

Hennicke, Peter; Müller, Michael: Weltmacht Energie. Herausforderung für Demokratie und Wohlstand. Stuttgaert: Hirzel, 2005. 280 S. € 29,90 [D], € 32,00 [A], sFr 52,60

 

ISBN 3-77776-1319-3

 

Eine umfassende Darstellung der aktuellen Energienutzung und –reserven von Erdöl bis Geothermie, möglicher Energieszenarien für die Zukunft sowie – und das zeichnet diesen Band besonders aus – der Mechanismen und Instrumente gegenwärtiger wie zukünftiger Energiepolitiken (gesprochen wird u. a. von einer „Geoökonomie des Weltenergiemarktes“) gibt auch der von Experten im Umfeld der Forschungsstelle für Umweltpolitik der FU Berlin verfasste Band

 

Grundlagen der Energiepolitik. Hrsg. v. Danyle Reiche. Frankfurt u.a.: Peter Lang, 2005. 330 S. €  39,80 [D], 41,- [A], sFr 69,65 ISBN 3- ISBN 3-631-52858-2