Unterwegs zur Wissensgesellschaft

Ausgabe: 2001 | 1

Computergestützte Informations- und Kommunikationsnetze sind die treibenden Kräfte einer Entwicklung zur Wissensgesellschaft. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hat sich im Rahmen von „Zukunftsdialogen“ intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Die vorliegenden repräsentativen Beiträge aus vier Experten-Workshops über „Nachhaltigkeit des Wissens“, „Informatisierung des Lernens und der Kommunikation“, „Informatisierung des Wirtschaftens und politischer Partizipation“ bieten dazu einen kompakten, informativen Überblick über Grundlagen und Diskussionsstand. Dem Leser erschließt sich ein differenziertes Bild von Wissen in seinen verschiedensten Ausprägungen – als „neue zentrale Ressource“, als neue Herausforderung an das Wissensmanagement oder als Erweiterung des Wissens über uns selbst (Informationsverarbeitung). Jedenfalls, so ist zu konstatieren, werden sich bei der Gestaltung der Mensch-Technik-Interaktion die Belastungen und Herausforderungen an die Mensch-Seite nicht verringern sondern allenfalls verschieben.

 

Der Einstieg in die Grundlagendiskussion beginnt mit einer Reflexion von leitenden Begriffen (Information, Signale, Daten). Walther Ch. Zimmerli trifft eine interessante Festlegung auf den Begriff der Informationstechnologie- oder Wissenstechnologiegesellschaft, um damit zu signalisieren, dass sich die Gegenwart keineswegs durch mehr Wissen, sondern lediglich dadurch unterscheidet, „dass dieses Wissen in einer technologischen Form verfügbar ist“ (S. 84).

 

Mit dem Slogan „Weiterbildung und lebenslanges Lernen“ wird der Ruf nach einer veränderten Bildung (Christoph Hubig) deutlich, wobei Kompetenz in verschiedenen Facetten (z.B. projektorientiertes und eigenständiges Lernen und Handeln) als Lernziel angepeilt werden sollten. Beobachtungen zur Auflösung von klassischen Unternehmensstrukturen (R.Reichwald/M.Hermann) zeigen zum einen die Individualisierung des Arbeitens (Telearbeit), zum anderen aber auch einen erhöhten Gestaltungs- und Forschungsbedarf hinsichtlich aufrechtzuerhaltender Kooperationsformen (Unternehmensnetzwerke). Anhand zweier Beispiele wird die vernetzte Leistungserstellung in SOHOs (dem Small Office/Home Office-Bereich) dargestellt. Eindringlich weist Wilfried Glißmann, Vorsitzender des IBM-Betriebsrates Informationssysteme, auf die Konsequenzen neuer Selbständigkeit in der Arbeit hin und H. Kubicek/M. Hagen relativieren die Schlussfolgerung, dass medieninduzierte Transparenz zwangsläufig zu mehr Emanzipation, Menschenrechte undFreiheit führe. Die „information policy“ findet nicht analog zur „information economy“ statt und ein technisches Konzept von Öffentlichkeit entlaste, so die Autoren, keineswegs von weiterführenden Überlegungen zur Demokratisierung.

 

Nicht zuletzt um ethische Normen der Wissensauswahl, um Zugangschancen und -barrieren geht es bei Überlegungen zum Thema, ob und wie wir Wissen einsetzen, das in elektronischen Wissensbasen gespeichert ist. Auf die Frage, welches Wissen braucht die Zukunft, fordert Otto Ulrich, die Welt als künstlerischen Prozeß und als ästhetisches Geschehen zu begreifen, denn die Kunst nehme die Aufgabe der Gegenwartsverständigung eher und besser wahr als die Philosophie. A. A.

 

Unterwegs zur Wissensgesellschaft. Grundlagen – Trends – Probleme. Hrsg. v. Christoph Hubig. Berlin: Ed. Sigma, 2000. 369 S. (Technik-Gesellschaft-Natur; 3)