Ein vorrangiges Anliegen der Global-Marshall-Plan-Initiative (GMPI) ist Engagement zur Erreichung der von 189 Staaten vereinbarten Millenniumsziele. Weitgehend unstrittig ist dafür die Notwendigkeit von mehr – aber auch von noch besserer – Hilfe zur Selbsthilfe in den armen Ländern. Nach Auskunft des Herausgebers handelt es sich beim vorliegenden Band um eine erste Sammlung von Grundsätzen, Leitlinien und „best-practice“-Beispielen für eine erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen der GMPI. In jedem Fall sind, wie im GMP vorgesehen, zusätzliche Mittel zur Weltentwicklung zu generieren, die aber ständig einer Erfolgskontrolle zu unterziehen sind. Im vorliegenden Buch geht es v. a. um die Qualität dieser Mittelverwendung.

 

Zunächst werden in einem „Basistext“ die Grundsätze abgesteckt, ein historischer Rückblick auf die „Entwicklung von Entwicklung“ vorgenommen sowie Grundsätzliches zum Thema aus Sicht der Vereinten Nationen, der EU, sowie aus dem BM für Wirtschaftliche Zusammenarbeit im Zusammenhang mit der internationalen Konferenz über die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit im März 2005 in Paris erörtert. Als eines der effizientesten Mittel zur Förderung von Selbsthilfe wird dabei das Mikro-Finanzen (Mikro-Kredite, Mikro-Zuschüsse) benannt.

 

 

 

„Bis zum Ende des Jahres 2004 konnten 66 Millionen Familien mit Mikrokrediten erreicht werden, das bedeutet bei einer durchschnittlichen Familiengröße von fünf Personen 333 Millionen Menschen weltweit. Das entspricht gut einem Viertel der ärmsten Menschen, was Ende 2005 die offizielle Statistik der Folgekampagne des Mikrokredit-Gipfels von 1997 zeigt, in der 3.100 Mikrofinanzierungsinstitutionen zusammengeschlossen sind.“ (S. 177)

 

In der Regel werden bei der Vergabe von Mikrokrediten aus guten Gründen Frauen bevorzugt, weil die Erfahrung zeigt, dass Männer das Geld häufig für Kneipenbesuche, Radios oder Ähnliches verwenden. Immer handelt es sich dabei um sehr kleine Beträge (Richtwert 72 US-Dollar). Das bekannteste Beispiel für Mikrofinanzierung ist die „Grameen Bank“ in Bangladesh und dessen Gründer Muhammed Yunus, die bis heute bereits über 5,4 Milliarden US-Dollar verliehen und knapp sechs Millionen Mitglieder hat. Ein weiteres Beispiel ist Oikocredit, die ökumenische Entwicklungsgenossenschaft, die Möglichkeiten ethischer Geldanlage anbietet. Dieses Geld wird wiederum als Kredit oder Beteiligung an Genossenschaften oder Mikrofinanzinstitutionen in Entwicklungsländern vergeben. In diesem Zusammenhang werden eine Reihe überaus positiv arbeitender Projektpartner von Oikocredit beschrieben wie etwa die Spar- und Darlehensgenossenschaft der Muramati-Teepflanzer in (Kenia), die Genossenschaft SHARE (Society for Helping Awakening Poor through Education) in Indien (die nach dem Prinzip der Grameen Bank in Bangladesh arbeitet und Kredite zwischen 50 und 360 US-Dollar an Gruppen von jeweils fünf Frauen, die für einander bürgen, vergibt) oder die Genossenschaft „El Ceibo“ der Kakao-Bauern in Bolivien.

 

Herausgeber Peter Hesse sieht neben der Mikro-Finanzierung im Lernen in jeder Form die wichtigsten Säulen einer eigenständigen, nachhaltigen Entwicklung. Deshalb beschäftigt sich ein eigener Abschnitt mit dem frühkindlichen, bewusst gefördertem Lernen („Early Childhood Development“). Auch hier machen wir Bekanntschaft mit einer Reihe von „best-practice“-Beispielen wie etwa Ecomundi (ganzheitliches Lernen im ruralen Mexiko), „Kid’s Waves“ (eine Radiosendung ausschließlich von Kindern seit 2004 in elf Ländern Westafrikas) oder dem Projekt einer Montessori Vorschulbildung mit Hilfe des angepassten „Atelier Montessori“ (Handbuch für die Lehrer-Ausbildung).

 

Peter Spiegel berichtet von zwei erfolgreichen Beispielen für einen neuen Entwicklungsansatz (Initiierung von Bildungseinrichtungen im Sinne von „lernenden Organisationen“). Zum einen handelt es sich um die Entwicklungsschulen in Kolumbien, zum anderen um das „Women’s Empowerment Program“ (WEP) in Nepal. Letzteres macht aus Analphabetinnen in kürzester Zeit selbständige Unternehmerinnen und Trainerinnen.

 

ev. Zit. „Die in Washington ansässige Nichtregierungsorganisation Pact hat in Zusammenarbeit mit einheimischen nepalesischen NGOS wie Education Curriculum und Training Associates (ECTA) einen Weg gefunden, mit dem die bisher als besonders erfolgreich geltenden Entwicklungskonzepte wie zum Beispiel die Kleinkreditidee mit noch wesentlich größerer Effizienz und Nachhaltigkeit und gleichzeitig mit deutlich niedrigeren Kosten umgesetzt werden können.“ (Peter Spiegel, S. 383)

 

Abschließend geht es noch einmal um Grundsätzliches: Was darf Entwicklung kosten, wer definiert sie, wie lässt sich eine friedliche Entwicklung fördern? aber auch um die Vision einer reformierten, wertegesteuerten, unbürokratisch starken Eine-Welt-Organisation (S. 475). Visionen und Taten für eine bessere Welt sind wohl unabdingbar, um die hier vorgetragenen Ziele weiter zu befördern. A. A.

 

Solidarität die ankommt! Ziel-effiziente Mittelverwendung in der Entwicklungszusammenarbeit. Hrsg. v. d. Global Marshall Plan Initiative u. d. Peter-Hesse-Stiftung. Hamburg, 2006. 544 S., € 15,- [D], 15,45 [A], sFr 26,25

 

ISBN 978-9809723-8-3