Jährlich entstehen in Deutschland 250.000 Tonnen Elektronik-Schrott. Dieser füllt einen Güterzug, der von Hamburg bis Hannover reichen würde. Bei der Herstellung eines PCs wird jene Menge an Energie verbraucht, die dem Spritverbrauch bei Autofahrt von 600 km entspricht. Durch Recycling werden aber nur 13% der für die Herstellung aufgewendeten Energie zurück gewonnen. Grund genug, durch eine Wiederverwendung der Geräte den Abfall zu vermeiden und Ressourcen effizienter zu nutzen. Dieser Wieder- und Weiterverwendung von Computern hat sich das Projekt ReUse-Computer an der TU Berlin gewidmet, um zugleich die weit reichenden Folgen dieses Ansatzes auszuloten.

 

„ReUse“ ist in mehr als ein Computer-Projekt: „Geschaffen wurde ein regional orientiertes Netzwerk aus Wissenschaft und Unternehmen im Verbund mit den Anwenderinnen und Kunden“. (S. 20) Es wird versucht, regionale Unternehmen, Technik und Nutzer in einer Kooperation (im ReUse-Netzwerk) aufeinander zu beziehen und dabei ökologische Leitideen wissenschaftlich fundiert in die Praxis umzusetzen. Dabei geht es um Minimierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs durch Wiederverwendung, die Erhöhung der Lebensdauer und die Reduzierung elektronischen Mülls ebenso wie um die Entwicklung von Konzepten dezentraler Energieversorgung und Ressourcenschonung.

 

Vor diesem Hintergrund spielen Faktoren einer nachhaltigen Ökonomie, Vernetzung, Langfristigkeit sowie Orientierung am lebensnotwendigen eine wichtige Rolle. Man wendet sich bewusst gegen die verbreitete Vorstellung, dass ‚neu’ immer auch ‚besser’, Qualität sei durch eine ‚große Marke’ garantiert und ein Mehr  an Funktionen, Features und Schnelligkeit sei mit einem größeren Nutzwert verknüpft sei.

 

Zunächst werden die „Chancen und Grenzen regionaler Strategien“, das „Marketing von ReUse-Produkten“ und Themen wie „Warum Wiederverwendung“ beschrieben. Einer der Herausgeber und Projektleiter von ReUse-Computer an der TU Berlin/ kubus (Kooperations- und Beratungsstelle für Umweltfragen), Frank Becker, geht in seinem Beitrag auf die praktischen Anwendungsmöglichkeiten von Netzwerken für Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit regionaler Ökonomie ein. Er zielt besonders auf die „Sozialverträglichkeitsdimension“ des Projektes und auf den Netzwerk-Gedanken. Schonung der Umwelt, so Becker, setze „den kulturellen Akt erhaltenden Handelns in unserem Alltag voraus“ und sei ein Beitrag zur Entschleunigung unserer Ökonomie. Schließlich nennt Becker drei Aspekte, die für die Charakterisierung einer sozialverträglichen Wissenschaftskultur bedeutsam sind: Handeln, das auf eine Erweiterung der Wahl- bzw. Verhaltensmöglichkeiten abzielt, kulturelle Übersetzungsarbeit bezüglich unterschiedlicher gesellschaftlicher Logiken und schließlich die Orientierung auf Zirkularität und erzählerische Prozesse zum Aufbau von Selbststeuerungs- und Lernfähigkeit in dem beteiligten System. Würde jeder der geschätzten 16 Mio. gebrauchten Computer, die nicht weiter genutzt werden, aber noch nicht verschrottet sind, nur zwei Jahre weiter genutzt, so ließe sich damit eine Energieeinsparung realisieren, die einem 500 MW Kohlekraftwerk entspricht.

 

Nur selten wurden bislang ähnlich anschaulich Konzepte der Nutzenoptimierung als Gegenkonzepte zur Ideologie der Produktinnovation und  Verbrauchsmaximierung vorgelegt. Sehr empfehlenswert und zur Nachahmung empfohlen. A. A.

 

ReUse-Computer. Ein Beitrag zur Entschleunigung der Ökonomie. Hrsg. v. Frank Becker … München: oekom-Verl., 2005. 236 S., € 29,80 [D], 31,90 [A], sFr  52,50

 

ISBN 3-936581-98-3