Wir kennen sie alle: die reichhaltigen Angebote aus aller Welt, die den Einkauf zum Erlebnis und auch zur Herausforderung werden lassen: Exotische Früchte und Gemüse aus aller Herrn Länder, eine verlockende Vielfalt an Fleisch- und Käsesorten, schier unwiderstehlich aufbereitete Leckereien oder auch Getränke der vitaminreichen oder stimulierenden Art: Sie alle haben bis zu ihrem Platz in den Regalen der Supermärkte bereits eine lange Geschichte hinter sich. Wer sie kennt – so eine der Ausgangsthesen des drei AutorInnen, kann mit dazu beitragen, als mündiger Konsument zwar nicht immer die richtige, aber doch die bessere Wahl zu treffen.

 

Mit diesem Ratgeber bieten die MitarbeiterInnen des Österreichischen Ökologie Instituts(Wien) eine wertvolle Hilfestellung zu bewusster Kaufentscheidung. Kenntnisreich, pointiert und vor allem gänzlich frei von moralinsaurer Attitüde, geben sie Einblick in die Grundlage von Ökobilanzen im Nahrungsmittelbereich (von der Produktion über den Vertrieb bis hin zur Lagerung), informieren u. a. über Nahrungsmittelrichtwerte der EU oder auch darüber, was sich hinter den Etiketten „Bio“ und „Öko“ verbirgt und weisen in diesem Zusammenhang u. a. auch auf die Vorreiterrolle Österreichs im deutschsprachigen Raum hin. So stehen 20.000 Ökobetrieben in Österreich (auf 11 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche nur 9.209 Einheiten (2,4 Prozent) in der BRD und 5.070 Betriebe (7,8 Prozent) in der Schweiz gegenüber. „Made in Österreich“ – das ist die Kehrseite der Medaille – hingegen bedeutet nur, dass zumindest 50 Prozent der Wertschöpfung des so ausgewiesen Produkts in Österreich erfolgte, was auch bedeuten kann, dass die verarbeiteten Rohstoffe zur Gänze importiert wurden.

 

Ein ausführliches Kapitel ist dem Aspekt „Essen mit sozialer Verantwortung“ gewidmet, denn, so die AutorInnen, „mit unserem Einkaufsverhalten bestimmen wir mit, ob Lebensmittel unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden oder ob wir damit Sklaverei und Kinderarbeit finanzieren.“ (S. 35) Essen sei zudem weit mehr als eine Frage der Gesundheit, nämlich immer auch ein kultureller Akt, der etwa in der Vorliebe für Fast Food ebenso zum Ausdruck kommt wie in der oft aufwendigen Vorbereitung und dem gemeinsamen Erleben eines Festmahls.

 

Der Hauptteil des Buches widmet sich dem „Ökoranking“, und bietet vor dem Hintergrund der alltäglichen Einkaufspraxis eine praxisbezogene Orientierungshilfe. Gegliedert nach den Bereichen Brot und Getreide, Milchprodukte, Gemüse, Obst, Fette, Getränke und Süßwaren werden Bewertungen innerhalb der Kategorien „Transport“, „Anbau und Tierzucht“, „Verpackung“ sowie „Weiterverarbeitung und Konservierung“ vorgenommen. Auf Basis dieser Kriterien gibt es jeweils (zu Teil auch stark divergierende Zuordnung) Beurteilungen in den Bereichen „Ökoranking“, „Gesundheit“ und „Soziale Verträglichkeit“, wobei die Beschränkung auf eine dreigliedrige Skala ‑ vom „Vollprofi“ bis zum „Neuling in Sachen kritischer Konsum“ ‑  mit zur Übersichtlichkeit beiträgt.

 

Eine Fülle von auch grafisch hervorgehobenen Einkaufstipps sowie ein ausführlicher Serviceteil mit empfehlenswerten Gütesiegeln, einschlägigen Adressen und Vergabestellen (natürlich auch mit Internet- und E-Mailadressen) aus dem deutschen Sprachraum, Onlineshops, einem Glossar und weiterführender Literatur ergänzen diesen empfehlenswerten Ratgeber. W. Sp.

 

Gupfinger, Henriette; Mraz, Gabriele; Werner, Klaus: Prost Mahlzeit! Essen und Trinken mit gutem Gewissen. Wien: Deuticke, 2000. 217 S., DM 27,- / sFr 26,30 / öS 198,-