„Entwicklung besteht darin, die verschiedenen Arten von Unfreiheit aufzuheben, die den Menschen nur wenig Entscheidungsspielraum und wenig Gelegenheit lassen, wohldurchdachten Gründen gemäß zu handeln.“ Ausgehend von dieser Überzeugung entwirft der aus Indien stammende Ökonom Amartya Sen, der 1998 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde, ein anschauliches Bild der Wechselwirkungen von wirtschaftlichen Möglichkeiten, öffentlichen Infrastrukturen (Bildung, Gesundheit), kulturellen Werten (z.B. Patriarchat oder Despotismus) sowie politischen Artikulations- und Partizipationsrechten. Die Freiheit, am wirtschaftlichen Austausch teilzunehmen, also der Zugang zum Arbeitsmarkt sowie zu den Warenmärkten, spiele dabei - so der Ökonom -  freilich die fundamentale Rolle, besonders auch für Frauen. Glaubwürdig kritisiert Sen lediglich an Größen wie dem Bruttosozialprodukt oder am Einkommen orientierte Konzepte. Die Betrachtung der Menschen als „aktive, Veränderungen bewirkende Subjekte“ und die Bewertung von Entwicklungspolitik wie deren Institutionen daran, ob und wie weit sie dieses Ziel zu erreichen vermögen, macht das Emanzipatorische von Sens Ansatz aus, der zwar auf den Markt setzt, die destruktiven Seiten der gegenwärtigen Weltökonomie jedoch nicht leugnet. H .H.

 

Sen, Amartya: Ökonomie für den Menschen. Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität. München (u. a.): Hanser, 2000. 424 S., DM 45,- / sFr 43,50 / öS 329,-