Das Lernen in lebenspraktischen Zusammenhängen vor dem Hintergrund persönlicher Motive, eigener Interessen und unter Einbeziehung der sozialen Realität ermöglicht es am ehesten, dauerhafte Einsichten zu gewinnen, die individuelle Handlungen bestimmen (vgl. S. 9). Eine systematische Anleitung für die schulische und außerschulische Bildung für nachhaltige Entwicklung wird hier erstmals am Beispiel „Wasser“ angeboten. Die AutorInnen, ausgewiesene Experten und Berater von Veränderungsprozessen in Organisationen für die nachweisbar nachhaltige Umsetzung von Zukunftsoptionen sowie Mitarbeiter von TuWas, haben Unterrichtsmaterialien vorgelegt, die interdisziplinäre Ideen für nachhaltiges Lernen liefern. Es handelt sich dabei aber nicht um fertige Rezepte, sondern um Anregungen in Form von Modulen. Naturerleben und Umwelterfahrung soll Jugendlichen authentisch vermittelt werden. Dabei soll sowohl der psychologischen Realität als auch den Ansprüchen des Nachhaltigkeitsbegriffs entsprochen werden.

 

Auf drei Ebenen wird ein Planungsschema für die Nachhaltigkeitsbildung entworfen: Zunächst geht es um Dimensionen des Begriffs „Nachhaltigkeit“, dann um Komponenten der Bildung für nachhaltige Entwicklung und schließlich um vier methodische Bereiche des Denkens und Handelns. Die ersten beiden Ebenen zusammen ergeben ein „Systemszenario“ des Nachhaltigkeitslernens, das sich wiederum für jedes Sachthema – im vorliegenden Fall „Wasser“ – mit verschiedenen Lernelementen zu erarbeiten ist. Die Methoden sind „entdeckendes Lernen“, „Projektlernen“, „Planspiele“ und „Mediales Lernen“.

 

„’Weltoffenheit’ und das Interesse an ‚neuen Perspektiven’ setzen Einstellungsänderungen voraus, die man ebenso wenig von außen vermitteln kann wie ‚Empathie’, Engagement und Solidarität.“ (S. 10)

 

Insofern unterscheidet sich Nachhaltigkeitslernen wesentlich vom „alten“ schulischen (Standard-)Lernen, denn es kommen Methoden zur Anwendung, die die Eigenaktivität der Lernenden in den Mittelpunkt stellen.

 

Am Beispiel Wasser soll nicht nur die Bedeutung dieses Elements für den Alltag begreifbar, sondern auch unsere Verantwortung für globale Veränderung wahrnehmbar werden, „indem wir die vielfältigen Einflussmöglichkeiten in unserer unmittelbaren Lebensumwelt nützen“. (S. 13) Wasser ist nicht nur die zentrale Ressource unseres Planeten, sondern auch Grundlage der Lebensqualität. „Eine nachhaltige Zukunftssicherung wird die Probleme mit ungenügender Wasserversorgung, die in vielen Regionen der Erde eine existenzielle Rolle spielen, lösen müssen.“ (S. 13) Wasser-Probleme der anderen Art beschäftigen uns in Mitteleuropa: Überflutungen, Schadstoffbelastung, oder die Sicherung des Gemeinguts Wasser sind für die künftige Versorgung zu beachten. Insofern ist  auch hierzulande die Bedeutung der Ressource Wasser nicht zu unterschätzen. Neben den insgesamt 21 Wassermodulen sei abschließend (siehe Kasten) noch auf unzählige Links zur Vertiefung des Themas hingewiesen. Alles in allem ein gelungener Beitrag zur UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005-2014“. A. A.

 

Häusler, Richard; Streit, Christian; Bernet, Veronika: Nachhaltigkeit lernen. Didaktisches Konzept & Praxismodule für die Schule und außerschulische Lernorte

 

Thema: Wasser – Lebensmittel für die Welt. Saarbrücken: Gersheim-Ed., 2007.

 

56 S.