Mobilisierung von Umweltengagement

Ausgabe: 2007 | 2

In Sachen Umwelt- und Naturschutz besteht Handlungsbedarf: Im Rahmen einer 2004 in Deutschland bundesweit durchgeführten Repräsentativumfrage bezeichneten sich 8,6 % der BürgerInnen als aktive Mitglieder in einschlägigen Organisationen, 25 % gaben an, sich im Jahr zuvor mit einer Spende engagiert zu haben, aber nur 11 % der Befragten erklärten, ehrenamtlich aktiv zu sein. Nicht weniger als 33 % aber können „sich vorstellen“, an einschlägigen Projekten und Aktivitäten mitzuwirken (S. 7). [Es ist anzunehmen, dass Erhebungen in Österreich und der Schweiz vergleichbare Befunde liefern.] Woran mag es liegen, dass – trotz nachweislich vielfältiger Impulse für „Bürgerschaftliches Engagement“ der aktive Einsatz für ökologische Fragestellungen – vorsichtig formuliert –entwicklungsfähig erscheint? Liegt es am Grad der Abstraktheit und Unverbindlichkeit des Begriffs „Nachhaltigkeit“, an der Unübersichtlichkeit der „Umweltszene“? Wie vor allem können Verbände das offenbar virulent vorhandene Potenzial an „zivilgesellschaftlichem Engagement“ für ihre Anliegen mobilisieren? Edgar Göll und Christine Henseling, beide Mitarbeiter am IZT Berlin, haben auf der Basis von Experteninterviews (in Form von „Fokusgruppen“), durch Sichtung der einschlägigen Literatur und anhand von „Best Practice“-Beispielen (vor allem aus den USA, aus Kanada und Skandinavien) mit der vorliegenden Studie ein breites Spektrum sowohl an bestehenden Defiziten wie vor allem auch an (bislang zu wenig genützten) Chancen im Kontext des „Öko-Engagements“ erhoben.

 

Ausgegangen wird in der vorliegenden Studie von Umweltengagement im weiteren Sinn (von punktueller finanzieller Unterstützung bis hin zu kontinuierlichem ehrenamtlichen Engagement). Dass im Rahmen einer Online-Analyse mehr als 1/3 der Befragten die Verbesserung des Managements und der Organisation von Umweltverbänden anmahnten, aber nur 14 % für eine Verbesserung des Zuwendungsrechts (Spenden) und gar weniger als 5 % für eine bessere Vernetzung der Initiativen plädierten, macht deutlich, dass vor allem innerbetriebliche Defizite für mangelnde Resonanz verantwortlich gemacht werden (vgl. S. 31).

 

Ausdrücklich empfohlen wird von den Autoren ein sensibler und offener Umgang mit absehbaren gesellschaftlichen Trends (demografischer Wandel, zunehmende Verschränkung von Lebensbereichen, steigende Bedeutung von Wissen als Dienstleistungsfaktor, größeres Interesse für Wellness und Gesundheit sowie die Suche nach Zufriedenheit und Glück). Aufschlussreich ist insbesondere auch der Blick auf die Gepflogenheiten in den USA und in Kanada. Nach der Divise „Nicht die Ehrenamtlichen haben sich den Organisationen, sondern die Organisationen den Ehrenamtlichen anzupassen“, werden Volunteering und Fundraising als wichtige Geschäftsfelder angesehen und entsprechend innovativ und professionell betrieben. Aufrufe zu längerfristigem oder auch nur kurzzeitigem, projektbezogenen  Engagement sind beispielsweise oft auf den Websites von Behörden und Firmen zu finden („What you can do!“ / „Take Action“). Unternehmen stellen Materialien, Infrastruktur oder Personalkapazitäten zur Verfügung und (profitieren davon auch noch mehrfach (durch engagierte Belegschaften, den Nachweis von CSR und nicht zuletzt auch geschäftsfördernde Impulse. Umgekehrt wirkt sich die lebendige Förderungskultur auch direkt auf den Non-Profit-Sektor aus. Wie eine internationale Erhebung ergab, lag das Maß an Zuwendungen (an Geld und materiellen Gütern) in den Jahren 1995 bis 2003 in den USA bei 1,8%, in Kanada bei 1,2%, in Deutschland hingegen nur bei 0,2 des BIP (vgl. S. 49). Ausführlich referiert werden schließlich noch das methodische Setting sowie die Ergebnisse von (insgesamt acht) „Focusgruppen“, deren Empfehlungen im hier erörterten Kontext wertvolle Hinweise (etwa zur Erreichung von Zielgruppen, zur inhaltlichen und organisatorischen Prioritätensetzung oder zur Außenwirkung von Initiativen) ergaben.

 

Aufgrund vielfältiger, konkreter und praxisorientierter Empfehlungen ein rundum empfehlenswerter Band, der nicht zuletzt auch durch seine unakademische, unaufgesetzte Diktion positiv auffällt. W. Sp.

 

Göll, Edgar; Henseling, Christine: Mobilisierung von Umweltengagement. Wie Unterstützungsmöglichkeiten für Umwelt- und Naturschutz erschlossen werden können. Hrsg. v. Umweltbundesamt. Frankfurt/M.: P. Lang, 2007. 138 S. (ZukunftsStudien; 32) € 19,80 [D], 20,40 [A], 19,80 sFr 34,70

 

ISBN 978-3- 631-65276-5