Mit 97,5 Kilogramm Pro-Kopf-Jahresfleischverbrauch liegen die Österreicher – trotz Rückgängen bei Rindfleisch bedingt durch diverse Skandale – noch immer im internationalen Spitzenfeld. Wobei der Verzehr von Fleisch- und Wurstwaren durch Männer doppelt so hoch ist wie jener der Frauen. Hoch ist auch der Konsum von Milch- und Milchprodukten (über 100 Kilogramm pro Kopf). Immerhin stark im Wachsen ist der Gemüsekonsum, dies jedoch bei starkem Trend zu Tiefkühlkost. Wie überhaupt Fertiggerichte stark im Kommen sind: 150 Millionen Packungen im Wert von 4,5 Milliarden Schilling wurden für das Jahr 1997 berechnet. Tendenz steigend. Der Zuckerkonsum liegt mit 40 Kilogramm pro Kopf deutlich über dem EU-Durchschnitt von 33 Kilogramm. „Traditionell“ hoch und vornehmlich männlich besetzt ist auch der Bierkonsum der Österreicher. Er liegt mit 117 Liter pro Kopf wesentlich über jenem von Milch (70 Liter).

 

Soweit einige der zahlreichen Fakten dieses von Christian Nohel, Harald Payer und Hanni Rützler erstellten, äußerst interessanten Lebensmittelreports für Österreich, der auch das soziale Umfeld der Ernährungsgewohnheiten beleuchtet. So haben Ende der 90er-Jahre die Wohnausgaben mit 20 Prozent erstmals der Verbrauchergruppe der Lebensmittel und Getränke (18 Prozent) den ersten Rang in den Haushaltsbudgets abgelaufen. Neben dem Trend zum Billigkonsum ist aber auch ein zunehmendes Qualitätsbewusstsein (inklusive Umstieg auf Biolebensmittel ‑ etwa 10 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Österreichs wird mittlerweile biologisch bewirtschaftet ‑ zu verzeichnen. Die Zahl der Singlehaushalte hat sich innerhalb einiger Jahrzehnte auf 1 Million verdoppelt und damit auch die Nachfrage nach vorgefertigten Mahlzeiten. Immerhin ein Drittel der ÖsterreicherInnen isst häufig außer Haus (1,5 Millionen oder fast die Hälfte davon in Betriebskantinen), wofür 50 Mrd. Schilling jährlich ausgegeben werden (ein Fünftel der Gesamtausgaben für Ernährung).

 

Wir erfahren aber auch, dass es in Österreich neben den fast 8 Millionen EinwohnerInnen auch 2,3 Mio. Rinder (davon 700.000 Milchkühe, die 3,4 Mio. Tonnen Milch im Jahr liefern), 3,7 Mio. Schweine und 12 Mio. Hühner gibt. Letztere „erzeugen“ jährlich an die 2 Mrd. Eier und 100.000 Tonnen Geflügelfleisch – trotz Trend zur Freilandhaltung wird eine großer Teil er Hühner aber noch immer in Käfigen, sogenannten „Legebatterien“, gehalten.

 

Die Autoren geben auch Einblick in die Problematik der Lebensmittelkennzeichnung (mittlerweile existieren 270 in der EU anerkannte Zusatzstoffe, die durch nichtsagende „E-Nummern“ ausgewiesen werden) sowie in den Einzug der Gentechnik in die Lebensmittelbranche. Sie zeigen nicht zuletzt die große wirtschaftliche Bedeutung des Ernährungssektors auf, der etwa 12 Prozent des österreichischen Bruttosozialprodukts erzeugt und mit einer halben Million ein Sechstel der Beschäftigten ausmacht. Zukunftsperspektiven für die österreichische Landwirtschaft sehen die Ernährungsspezialisten, die das Institut für Ernährungskultur und Lebensmittelwirtschaft CULINAR in Wien betreiben, im Übergang von Quantität zu Qualität, in der Re-Regionalisierung der Nahrungsketten sowie einer Renaissance der Frischprodukte einschließlich der Direktvermarktung. In diesem Sinne zu verstehen ist das Schlusskapitel „Kulinarische Landschaften“, das einen Überblick über Regionalküchen in Österreich gibt. H. H.

 

Nohel, Christian; Payer, Harald; Rützler, Hanni: Lebensmittelreport. Die neuen Risiken beim Essen. Wien: Holzhausen, 1999. 264 S., DM44,- / sFr 41,- / öS 320,-