„Bis zu 60 Prozent unserer Umweltprobleme gehen auf den privaten Verbrauch zurück. 30 bis 40 Prozent der ökologischen Gefährdungen könnten wir schon durch geringe Änderungen im Verhalten lösen. Das Problem dabei: das hören wir nicht gern. Und deshalb sagt es uns auch selten jemand.“ Bernhard Pötter, Redakteur für Wirtschaft und Umwelt bei der „tageszeitung“ (taz) tut es – und dies auf eloquente, mitunter auch witzige Weise und nie mit der moralischen Keule. Sein Buch ruft uns dazu auf, „uns mehr in unsere eigenen Angelegenheiten einzumischen“ (S. 13) und nicht nur auf Wirtschaft und Politik zu verweisen. Es gebe kaum Akteure in Deutschland, „die uns Verbraucher an unsere Pflichten erinnern“, so der Journalist. Die Umweltbewegung sei groß geworden im auch heute noch wichtigen Kampf gegen „die da oben“, die Rolle unseres Konsumstils blieb dabei aber - von wenigen Ausnahmen etwa der Greenpeace-Verbraucherorganisation „Einkaufsnetz“ abgesehen - außen vor. Verbraucherschützer hätten bislang nur darauf geachtet, dass Preis und Qualität der Produkte stimmen und darüber die „Prozessqualität“ vernachlässigt.

 

Pötter bringt zunächst einschlägige Verbraucherstudien, die die geringe Bereitschaft zum Ökokonsum aufzeigen („Der deutsche Konsument in Nahaufnahme“) und rechnet in der Folge vor, was uns der nicht nachhaltige Konsumstil tatsächlich kostet – von den Autofahrern als angebliche „Melkkuh der Nation“ bis hin zu kontraproduktiven Subventionen. Interessant dabei ist der Verweis auf die kanadische Initiative „Adbusters“, die eine globale Sammlung zu externalisierten Kosten aufbauen - www.truecosteconmics.org.  Nicht zuletzt werden die Folgen der globalen Ausweitung westlicher Konsummuster problematisiert („Die konsumistische Internationale“).

 

Im zweiten Teil nimmt der Journalist die Bereiche Ernährung („Großer Appetit, kleiner Hunger“), Verkehr („Mit angezogener Handbremse“), Energieversorgung („Kein Wechselstrom“), Bauen und Wohnen sowie Internationale Arbeitsbedingungen („Sozial, unsozial, ganz egal“) unter die Lupe. Sein Fazit: Vorbildhafte ökologisch und sozial verträgliche Alternativen gibt es, sie sind aber nach wie vor ein Minderheitenprogramm.

 

Im abschließenden Kapitel skizziert Pötter schließlich konkrete Schritte auf dem Weg zur „nächsten Konsumrevolution“. Er ruft auf zum Widerstand gegen „Geiz ist geil“, gibt „Tipps und Tricks gegen den Konsumwahn“ und plädiert für eine Organisation „ConsumerWatch“ – in Analogie zu NGOs wie FoodWatch, HumanRightsWatch oder TourismWatch. Zu ihren Aufgaben gehörten nicht nur politisches Lobbying (verschärfte Grenzwerte, Obergrenzen für Verbrauchsnormen usw.), sondern die Entwicklung eines Bewusstseins für Verbrauchermacht  und -verantwortung, wobei Kreativität und konstruktive Provokation gefragt seien. Promis aus Kultur, Sport, Show Business und Wirtschaft sollen gewonnen werden, die „mit ihrem Namen und ihrem Gesicht für Verantwortung beim Konsum stehen“. Insbesondere ginge es aber darum, die neue Lebensqualität eines anderen Konsums herauszustreichen („Wenn es nicht mehr ums Überleben geht, dann kann es ums bessere Leben gehen.“ (S. 151). Pötter ist überzeugt, dass die Zeit für eine „Ethik der Nachhaltigkeit“ reif sei, denn: „Die Sinnleere des neoliberalen Wirtschaftsmodells und der Überdruss am bloßen Konsum um seiner selbst willen liegen bereits in der Luft.“ Wollen wir es hoffen. Das vorliegende Buch ist auf alle Fälle eine spannende Argumentationshilfe dazu! H. H.

 

Pötter, Bernhard: König Kunde ruiniert sein Land. Wie der Verbraucherschutz am Verbraucher scheitert. Und was dagegen zu tun ist. München: oekom, 2005. € 14,80 [D], € 15,80 [A], sFr 26,-  ISBN 3-936581-92-4