Globalisierung in der Speisekammer

Ausgabe: 2000 | 2

Aus der Mengenperspektive ist die Entwicklung der Landwirtschaft in den letzten 30 Jahren eine Erfolgstory. Betrachtet man jedoch die ökologischen Folgen, sieht die Bilanz düster aus: Durch Erosion, Versalzung und Wüstenbildung gehen tagtäglich riesige Flächen nutzbaren Bodens verloren. Monokulturen und Technikeinsatz führen zu dramatischen Verringerungen der Artenvielfalt. Durch den Düngemittel- und Pestizideinsatz werden Lebensmittel und Gewässer vergiftet. Dazu kommt, dass die gesteigerte Nahrungsmittelproduktion nicht in der Lage ist, den Hunger zu besiegen. Einem Überangebot an Nahrung in den Industrieländern steht Lebensmittelknappheit und Unterernährung in manchen Entwicklungsländern gegenüber. „Mehr Nahrung, weniger Gerechtigkeit“ - ließe sich sagen. Über 6000 Millionen Tonnen Getreide werden, so ein FAO-Bericht von 1995, an Tiere verfüttert. Würde nur ein Drittel dieser Menge direkt in die menschliche Ernährung gehen, könnte die Pro-Kopf-Kalorienmengen von derzeit jeweils 2.700 Kilokalorien theoretisch auf 3000 Kalorien gesteigert werden.

 

Eine neue Lösung wird von der sogenannten „Zweiten Grünen Revolution“ der Biotechnologien erhofft. Während die Gentechnologie schädlingsresistente, hocheffiziente Pflanzenarten verspricht, bleiben die damit einhergehenden Risiken offensichtlich. Ähnlich steht es mit dem Trend zur weiteren Technologisierung der Lebensmittelbranche. „Functional Food“ oder „Nutraceuticals“, also chemisch zusammengesetzte Kunstnahrung, verspricht zielgenaue, optimierte Nahrungszufuhr. Doch schon heute sind mehr als die Hälfte aller Krankheiten in den Industrieländern ernährungsbedingt und ungesunde Ernährung geht häufig mit dem Verzehr von solchen vorgefertigten Lebensmitteln einher.

 

All diesen Fragen sowie dem internationalen Kontext der Ernährungspolitik etwa auf der Ebene der WTO wie der Europäischen Union gehen die beiden Bände des Ökoinstituts nach. Untersucht wurden aber auch die Gegentrends, die Experimente ökologischen Landbaus, die - etwa in Ländern wie Österreich - längst über das Nischendasein hinausgelangt sind, wie etwa der Einstieg großer Lebensmittelketten in Bio-Lebensmittel zeigt. H. H.

 

Globalisierung in der Speisekammer. Auf der Suche nach einer nachhaltigen Ernährung. Tappeser, Beatrix ... (Mitarb.). Hrsg. v. Öko-Institut e.V. Freiburg: Öko-Inst., 1999. Bd. 1: 198 S., DM / sFr 40,- / öS 292,- Bd. 2: 128 S., DM / sFr 35,- / öS 256,-