Die Hilfswelle nach der Tsunami Katastrophe in Südostasien vom Dezember 2004 zeigte, dass Hilfe heute zu einem effizienten Business geworden ist. Damals waren allein in Sri Lanka 1.200 Hilfsorganisationen tätig. Doch blindes Helfen ohne Kenntnis der Situation, der Fähigkeiten und Bedürfnisse der Hilfesuchenden verdient nicht den Namen Hilfe, meint Moderator und Redakteur Johannes Kaup, der für Ö1, den „Kultursender“ des Österreichischen Rundfunks, Interviews über die Verantwortung des Helfens und die Macht der Zivilgesellschaft geführt hat. In den hier nachzulesenden Beiträgen kommen u. a. Persönlichkeiten wie Jean Ziegler, Jeremy Rifkin, Elmar Altvater, Konstantin Wecker, Jakob von Uexküll oder der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler zu Wort.

 

Zunächst geht es um die Verantwortung des Helfens und die Beantwortung der Frage: „Was können wir tun, damit andere ihre verloren gegangene Autonomie wieder erlangen?“. Die Filmemacher Elisabeth Guggenberger und Helmut Voitl haben einen Tag nach dem Tsunami die Bewohner des Dorfes Maradana (Sri Lanka) gefragt, wie sie helfen können und bekamen als Antwort „Wir brauchen Fischerboote, denn das Geld zum Aufbau müssen wir uns ja irgendwie verdienen“. Die Wiederbeschaffung der verlorenen Boote, Motoren und Netze wurde daher zum vorrangigen Ziel des von den beiden gegründeten Hilfsprojekts „Give Hope“ (www.givehope.at), dessen Erfolg auf der Zusammenarbeit mit der betroffenen Bevölkerung gründet.

 

Auch für Monika Kalcsics von der Caritas Österreich ist eine bedürfnisorientierte Hilfe enorm wichtig. Sie beklagt aber gleichzeitig, dass den Medien so erfolgreiche Aktivitäten wie „Food for Work“ nicht ins Programm passen, da nach wie vor Schockbilder und alte Klischees transportiert werden und so auf Dauer abgestumpfte Gleichgültigkeit bei den Medienkonsumenten erzeugt wird. (S. 28) „Food for Work“ will die betroffenen Bauern dazu motivieren, sich selbst aus der Not zu befreien. Ein anderes positives Beispiel ist das derzeitige Schwerpunktprojekt der Gruppe „Solidarität mit Lateinamerika“, ein Mikrokreditprogramm für Straßenhändler in Guatemala. Michael Schaller, Gründer von „sustainable, Agentur für Nachhaltigkeit“, berichtet von inzwischen mehr als 360 gewährten Darlehen.

 

Trotz zahlreicher gelungener Aktivitäten hält aber Franz Fischler, seit 2005 Präsident des Ökosozialen Forums, fest, dass wir nach wie vor die einfachsten Daseinsvorsorgebedingungen mit Hilfe der bestehenden Entwicklungshilfe nicht gewährleisten können.

 

Der zweite Teil des Buches stellt die Macht der Zivilgesellschaft in den Mittelpunkt. Im Sinne der amerikanischen Anthropologin Margaret Mead geht Verna Krausneker vom Antirassismus-Verein ZARA davon aus, dass bereits eine kleine Gruppe von BürgerInnen die Welt ändern kann. Und das ist auch dringend notwendig, denn die weltweiten Verhältnisse sind ein Skandal, sagt Frithjof Finkbeiner, Koordinator der Global Marshall Plan Initiative. Seiner Ansicht nach ist v. a. die Zivilgesellschaft gefordert „etwas zu tun, etwas an diesem Weltordnungssystem zu verändern, weil es so massiv falsch läuft“. (S. 86) Auch Wolfgang Pekny von Greenpeace Österreich ist überzeugt, dass etwas geschehen muss, denn „wir leben auf zu großem Fuß“ und auf Kosten anderer Menschen. Sein Vorschlag zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks (eine Berechnungshilfe bietet www.einefueralle.at) beruht auf den vier „F“: weniger fliegen, weniger Auto fahren, weniger Fleisch essen und wohnen wie im Fass (gut isoliert, klein und kompakt).

 

Der Band macht Mut und inspiriert wortgewaltig zum Handeln. Der Moderator selbst ist überzeugt, dass die Macht der Zivilgesellschaft ein Netzwerk für eine gerechtere Welt schaffen kann. A. A.

 

Gebt uns keine Fische … Ö1-Features von Johannes Kaup aus der Sendereihe Readiokolleg. Hrsg. v. Ökosoziales Forum Europa. Wien, 2006. 157 S., € 9,50