Die Frauen, so lässt uns die Trend- und Zukunftsforschung seit Jahren wissen, sind im Kommen. Von der „Feminisierung der Alltagskultur“ (Norbert Bolz) ist die Rede, und Kirstin Brühl, die für die vorliegende Studie hauptverantwortlich zeichnet, geht gar noch einen Schritt weiter, wenn sie vom anbrechenden „weiblichen Jahrtausend“ spricht: „Jeder“, so heißt es einleitend, „wird in gar nicht so ferner Zukunft die Chance haben,, seinen ganz persönlichen Mix aus männlichen und weiblichen Anteilen und Lebensformen zu leben.“ (S. 5) Und dies, obgleich zugleich festgestellt wird, dass „Männer im allgemeinen systematisch, die meisten Frauen dagegen empathisch denken“ (S. 7).

 

Wenden wir uns der Zielgruppe dieser Studie zu: Frauen werden mehr und mehr zu gebildeten Konkurrentinnen, sie stellen – mutmaßlich beziehen sich alle genannten Daten, so nicht eigens hervorgehoben, auf Deutschland – 53 Prozent aller Abiturierten; die Zahl der Akademikerinnen hat sich in den vergangenen 25 Jahren mehr als verdreifacht und wuchs damit wesentlich schneller als jene der Männer; die Zahl der erwerbstätigen Frauen ist zwischen 1991 und 2002 um 630.000 gestiegen, die der Männer hingegen um1,5 Mio. gesunken. Trotzdem sind nur 59 % der Frauen zwischen 15 und 64 Jahren (aber 72 % der Männer) erwerbstätig; andererseits – und dies lässt aufhorchen – treffen Frauen 79 % aller Kaufentscheidungen.

 

Zwischen Wunsch (Bildungssehnsucht, Verlagen nach neuer Romantik und Bürgerlichkeit) und Wirklichkeit (Alltagsgestaltung in Patchwork-Familien (insgesamt rd. 2,5 Mio.) oder als Alleinerziehende (mehr als 2 Mio. Frauen stehen 390.000 Männern gegenüber) oszilliert die Lebensgestaltung. Kein Wunder, dass sich da vielfach ein „neuer Realismus“ breit macht, für den Familienglück nicht alles bedeutet. Dementsprechend ist ein verstärkter Trend zum „She-Business“, Erprobung beruflicher Selbständigkeit zu beobachten. Den Aufstieg bis hin zu Führungspositionen schaffen indes nur Wenige. Einer US-Studie zu Folge sind es nur ur 10,4 Frauen, die einen der „2.751 Sitze der Macht“ innehaben.

 

Als „Frauentypen, die Zukunft haben“ werden „Career Soloists“ (geschätztes Potenzial 2020: 9 %, Tendenz steigend), „Spiritual Seekers“, Potenzial 12 %, stark steigend und „Pipi-Langstrumpf-Mütter“ genannt. Letztgenannte legen Wert auf Spontaneität, Genuss und Balance und haben ein Potenzial von immerhin 16 % auszuweisen, Tendenz sehr stark steigend; Spitzenreiter, so Kirsten Bühl, ist die Gruppe der „Grey Power Ladies“, die mit einer Mischung aus „Neugier, Lebensgenuss und Ruhebedürfnis“ nicht weniger als 20 % ausmachen; Hingegen soll die Zahl der von Ungeduld getriebenen Querdenkerinnen um eher bescheidene 5 Prozent zunehmen.

 

Frauen, so ein weiter Befund, sind vorrangig Kunden einer „Deep Economy“, schätzen Unterstützung in Finanz- und Wellness-, Urlaubs- und Lebensplanung. „Kümmerer“, die für Haushalt, Kinder und Einkauf, aber auch emotionale Zuwendung da sind, haben bei jenen, die sich’s leisten können, Konjunktur. Auch Potenzial-, und Karriere-Entwickler liegen im Trend. Neben „Do-it-yourself“ ist „Power-Clubbing“ ebenso angesagt wie „Mama-Luxese“. Dass frau – weit mehr als Männer – immer schon viel las und daher auch das Internet für ihre Kommunikationsbedürfnisse verstärkt nützen wird, ist im Gunde ebenso wenig überraschend wie die Nennung einiger Konsumgüter, die, präsentiert als „Galerie weiblicher Innovationen“ vor allem auf die Sättigung des Konsumgüterbedarfs verweist: die Palette typisch weiblicher Produkte reicht etwa vom „She-Car“ über den „Schönheitsschuh“ bis hin Facetten der Deco-Art. Abgerundet wird der Band durch ein von S. Westphal zusammengestelltes „Logbuch für Frauennetzwerke“, dem neben einigen grundsätzlichen Regeln und Tipps auch einige Links für „Frauen mit Zukunft“ zu entnehmen sind.

 

Brühl, Kirsten; Westphal Susanne: Female Forces. Der Megatrend Frauen und seine Auswirkungen auf den Konsum und das Business von morgen. Hg.: Zukunftsinstitut. Kelkheim: Eigenverl., 2004. 103 S. € 190,- www.zukunftsinstitut.de ISBN 3-938284-02-1