Entwürfe für eine gute Zukunft

Ausgabe: 2005 | 4

Alle zwei Jahre ist das Bildungshaus St. Arbogast in Vorarlberg Gastgeber für „Tage der Utopie“. Vor- und zur Diskussion gestellt werden konkrete Zukunftsvisionen von Menschen, die diese leben und auch ansteckend zu vermitteln wissen. Zuletzt – im April 2005 – waren u. a. Hans-Peter Dürr, der Grundsätzliches über Visionen und Kreativität berichtete, Bernhard Lietaer, Experte eines „anderen“ Geldes, sowie Fritjof Bergmann, der Vertreter einer „neuen Arbeit“ zu Gast. Da ihre Utopien wohl auch an anderer Stelle schon mehrmals vorgestellt wurden, seien aus der vorliegenden Dokumentation zwei eher unbekannte Persönlichkeiten vorgestellt. Jörg Schindler, Geschäftsführer der Ludwig Bölkow Systemtechnik GmbH und Vorstandsmitglied von Global Challenges Network, skizziert einen glaubhaften Wandel in eine „post-fossile Welt“ dezentraler Energieversorgung sowie eines anderen Mobilitätsverhaltens. Da postfossile Treibstoffe – im wesentlichen Elektrizität und Wasserstoff – teurer und von der Menge her weniger verfügbar sein werden, würden – so der Experte – heutige Fehlentwicklungen beseitigt, „nämlich die Bevorzugung der Ferne gegenüber der Nähe“. „Die Erhöhung des Raumwiderstandes wird zu einer Aufwertung aller lokalen Beziehungen führen. Das lokale Umfeld ist zunächst für jeden das Wichtigste,  weil man ihm nicht mehr leicht und billig entfliehen kann.“ (S. 84). In dieselbe Richtung, wenn auch aus anderen Motiven gespeist, weist die Utopie einer „Ökonomie der Nähe“, entworfen von Christine Ax. Die Handwerksforscherin entwirft eine offene Utopie von einem Zusammenleben, in dem die Massenproduktion durch Maßfertigung abgelöst, eigenes Herstellen wieder vor Konsum gereiht und die Freude am Arbeiten wieder im Zentrum steht. Was stellenweise wie eine romantische Zukunftsverklärung klingt, wäre jedoch durchaus realistisch. Sechs Bereiche wurden im Zukunftsszenario „völlig neu organisiert“: „die Energieversorgung, die Ernährungswirtschaft, die Mobilität, die Produktion der schönen und nützlichen Dinge, das Wohnen, das Gesundheitswesen, das Lernen und die Kultur.“ (S. 156). Interessant der Ausgangspunkt der Veränderung: Die steigende Unzufriedenheit und soziale Verunsicherung im gegenwärtigen Wirtschaftssystem wird, so Ax, die Menschen aus ihrer Isolation reißen und Impulse für die Erneuerung setzen. H.H.

 

Entwürfe für eine gute Zukunft. Tage der Utopie. Hrsg. v. Hans-Joachim Gögl … Hohenems: Hämmerle, 2005. €  14,- [D], 14,45  [A], sFr 24,50

 

ISBN 3-ISBN 3-902249-81-1. (Bestellung: www.tagederutopie.org)

 

 

 

Wie bereits jetzt eine Renaissance des Handwerks auf moderner Basis möglich ist, zeigt ein anderer, ebenfalls aus Vorarlberg stammender Bericht:

 

Aicher, Florian …: Eigen+ Sinnig. Der Werkraum Bregenzerwald als Modell für ein Neues Handwerk. München: ökom Verlag, 2005. 200 S. €  24,80 [D],  25,60 [A], sFr 43,40

 

ISBN 3-936581-88-6