“Eine bessere Welt ist möglich” – das Lesen des Titels lässt Alarmlämpchen leuchten, zu sehr klingt er nach irgendetwas im Grenzbereich zwischen Esoterik und Gutmenschenprosa. Der Untertitel – „Ein Marshallplan für Arbeit, Entwicklung und Freiheit“ und die Namen der AutorInnen machen jedoch neugierig.

 

In seinem einleitenden Essay „Entwicklungspolitik ist Friedenspolitik“ spannt der bekannte Journalist Franz Alt anhand von Beispielen einen sehr weiten Bogen über die verschiedensten Aspekte der (leider nach wie vor so genannten) Entwicklungspolitik, die Zusammenhänge von Armut und Globalisierung und die aus seiner Sicht völlig verfehlte „offizielle Politik“ – ohne dabei sein Licht unter den Scheffel zu stellen.

 

Rosi Gollmann, die Gründerin der Andheri-Hilfe, zeigt anhand vieler Beispiele dieser Organisation auf, was mit verhältnismäßig geringen Mitteln und viel Engagement erreicht werden kann – nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“.

 

Im vielleicht differenziertesten Beitrag des Buches beleuchtet Rupert Neudeck, dessen Name als Synonym für engagierte Flüchtlingshilfe steht – er gründete die Organisation „Cap Anamur“ – die Entwicklung seiner Organisationen (mittlerweile hat Rupert Neudeck die „Grünhelme“ nach dem Vorbild von John F. Kennedys „Peace Corps“ gegründet). Dabei geht er auf viele brisante Themen wie das Beraterwesen im Graubereich staatlicher Organisationen, auf Waffen wie Landminen und deren verheerende Auswirkungen, auf die Millenniumsziele oder Gesundheitsfragen ein.

 

Alles was in diesen Beiträgen beschrieben wird, ist vom persönlichen Engagement und den beschriebenen Beispielen her hoch zu achten und interessant zu lesen, quasi als Sammlung dessen, was durch Initiative Einzelner erreichbar ist. Zwischen den Zeilen freilich schimmert auch durch, wo die Grenzen liegen – die Schuldzuschreibungen an offizielle Administrationen sind leider einigermaßen schablonenhaft. Wer damit zufrieden ist und in Kauf nimmt, dass das Buch offensichtlich einigermaßen rasch geschrieben wurde und die Beiträge nicht aufeinander abgestimmt sind, ist mit diesem Band gut bedient. Wer von einem Buch das Einlösen des Versprechens, das der Titel gibt, fordert, wer gar auch die Verheißung des Untertitels erfüllt sehen will, der wird enttäuscht. Keine Spur eines verallgemeinerbaren Modells, wie eine „bessere Welt“ (ohne dass eine solche irgendwo beschrieben oder definiert wird) möglich sei, ganz zu schweigen von einem „Marshallplan“. Wer das will, ist mit den Büchern z. B. von F.J Radermacher besser bedient – auch wenn auf ihre Umsetzbarkeit und Finanzierbarkeit durchdachte Politikpläne weniger zum emotionalen Wohlbefinden beitragen mögen. G. Sp.

 

Alt, Franz; Gollmann, Rosi, Neudeck, Rupert: Eine bessere Welt ist möglich. München: Riemann, 2005. 320 S. € 19,- [D], 19,60 [A], sFr 33,60 ISBN 3- 3-570-50069-1