Luisa Neubauer, Alexander Repenning

Vom Ende der Klimakrise

Ausgabe: 2020 | 3

„Wie kommuniziert man eine wissenschaftlich belegte Katastrophe in einer Zeit, die sich als postfaktisch deklariert?“ (S. 13) Durch persönliche Geschichten, sagen die Aktivistin Luisa Neubauer und der Politökonom Alexander Repenning. Und die liefern sie. 

Viel kann man aus diesem Buch mitnehmen, das sich aus zwei sich ergänzenden Erzählsträngen zusammensetzt: Einmal sind da die Einschübe individueller Erfahrungen und dann die Ausführungen, die verständlich die Klimakrise, in Kombination mit allen damit verknüpften, dadurch bedingten und vice versa verstärkenden Faktoren präsentieren. Die Klimakrise wird dabei als Krise der Verantwortung, Kommunikation und Gerechtigkeit, des fossilen Kapitalismus und Wohlstands beschrieben, motiviert wird zum utopischen Denken, denn: „Es ist die Vision eines anderen Morgen, die uns im Heute die Kraft zur Veränderung geben kann.“ (S. 232) Darüber hinaus werden die Leserinnen und Leser aufgefordert, sich selbst und andere zu informieren, sich selbst und andere zu organisieren, um ebenso problemlos sagen zu können: „Wir wissen, was gemacht werden muss. Wir wissen auch, wie. Und vor allem wissen wir: dass es möglich ist. Das ist unsere Chance, die Geschichte der Zukunft zu schreiben. Der Wandel wird kommen.“ (S. 280)

Um noch genauer auf die  Kommunikationskrise einzugehen: „Wenn die geophysikalische Wirklichkeit die Grenzen der Vorstellungskraft sprengt, dann braucht es eine Sprache, die dieser Wirklichkeit gerecht werden kann, und zwar der heutigen und zukünftigen. Wir brauchen Klimaübersetzer*innen, die die Erkenntnisse der Wissenschaft so formulieren, dass sie anschlussfähig sind an die Lebenswelten der Menschen.“ (S. 122) Die Bedeutung von Klimakommunikation zur Bewältigung der Klimakrise kann nach Neubauer und Repenning nicht überschätzt werden, es muss in sie investiert werden, damit die Erkenntnisse der Klimawissenschaft auch wirklich und weitreichend gehört werden, damit sie nicht aufgrund fehlender Vermittlung wirkungslos bleiben (vgl. S. 215). Das Buch wird dieser an andere gestellten Anforderung selbst in besonderer Weise gerecht, dazu gehört auch die bewusste Wahl des Titels: Es findet eben nicht der Begriff „Klimawandel“, sondern „Klimakrise“ Verwendung – und damit ein völlig anderer Deutungsrahmen.