Wir haben bereits in Heft 1/2007, Nr. 29 auf die zukunftsweisende Reihe „Forum für Verantwortung“, herausgeben von Klaus Wiegandt und der gleichnamigen Stiftung, hingewiesen. Das gegenwärtig wohl am meisten diskutierte Thema – spätestens seit dem letzten Klima-Katastrophenjahr, dem letzten milden Winter und dem darauf folgenden „Sommer im Frühjahr – ist Gegenstand des hier angezeigten Titels.

 

Mojib Latif, einer der führenden deutschen Klimaforscher, erläutert einmal mehr fundiert und verständlich die Ursachen und Auswirkungen der Erderwärmung und macht deutlich, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, um das Schlimmste zu verhindern. Er meint damit aber nicht, wie im Teil drei des kürzlich vorgelegten UNO-Klimaberichts dargelegt, dass die Atomkraft als „das kleinere Übel“ dem Weltklima eine Verschnaufpause gewähren könnte. Der Herausgeber der Reihe bezweifelt im Vorwort überhaupt, dass die Gestaltung einer gerechteren und lebenswerten Zukunft mit unseren gegenwärtigen Möglichkeiten und Denkweisen gelingen kann.

 

Aber lassen wir einmal die üblichen katastrophischen Prognosen, Moralpredigten und Appelle beiseite. Der Autor, Professor am Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel, weist zunächst auf die Wechselwirkung zwischen der Atomsphäre und den Meeren hin, bespricht Themen wie Meeresströmungen (El Nino, Nordatlantische Oszillation u. a. ), die Rolle von Kondensstreifen, Wolken und Niederschlag oder die Versauerung der Ozeane (darin ist CO2 chemisch aktiv und führt zu einer Absenkung des pH-Wertes). Drei Aspekte sind es allerdings, so der Experte, die die Vorhersagen zum Klimawandel unsicher machen. Da ist zunächst die Frage, wie sich die Menschheit in Zukunft verhalten wird, zweitens der insgesamt chaotische Charakter des Klimasystems und schließlich sind die Klimamodelle alles andere als perfekt. Alles in allem sollten wir auch nicht übertreiben, so der Autor, denn nicht alles, was an Unwettern und Extremen passiert, ist von uns Menschen verursacht. Typisch hingegen sei ein allgemein zu beobachtendes Phänomen, dass wir nämlich alle für den Umweltschutz sind, aber sich die wenigsten entsprechend verhalten.

 

Was können wir also tun, bzw. was muss geschehen? Latif ist Optimist und glaubt, dass das Klima infolge seiner Trägheit nur auf unsere langfristige Strategie reagiert und deshalb ist es noch nicht zu spät für einen wirksamen Klimaschutzprozess. Wichtig sei daher die Entwicklung der erneuerbaren Energie v. a. der Sonnenenergie und das Voranbringen neuer Technologien v. a. beim Pkw-Antrieb. Kurzfristig sollte auf Energieeinsparungen und effizientere Energienutzung gesetzt werden, meint der Experte.

 

Die zentrale Aussage des dritten und letzten Teils des UNO-Klimaberichts geht in dieselbe Richtung: Die Erde kann noch vor der Klimakatastrophe gerettet werden, wenn sofort und weltweit eine Kehrtwende eingeleitet wird. Schon in acht Jahren muss der Ausstoß an Treibhausgasen zurückgehen, um der drohenden Erwärmung und dem Meeresspiegelanstieg um einen halben Meter entgegen zu wirken. Bewertet man diese Aussagen, so haben wir keine Zeit zu vergeuden, um ebenso ambitionierte wie wirksame Maßnahmen zu setzen. A. A.

 

Latif, Mojib: Bringen wir das Klima aus dem Takt? Hintergründe und Prognosen. Frankfurt/M.: Fischer, 2007. 255 S., € 9,95 [D], [A], sFr

 

ISBN 978-3-596-17276-4