Unvernünftiges Handeln

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    Man kann mit Geld immer Probleme haben. Mit seinem Fetischcharakter, mit seiner Rolle in der Wirtschaft und mit dem Verdienen und Ausgeben. Egal welches Problem das Ihre ist, Claudia Hammonds Buch hat Ihnen etwas zu sagen.

    In ihrem Buch „Erst denken, dann zahlen“ hat sie 263 Studien verarbeitet, die sich um das Thema Geld ranken. Dabei haben wir erfahren, wieviel wir falsch machen, wenn wir mit unserem Geld unterwegs sind. Ganz nebenbei haben wir aber auch mitbekommen, dass unser Umgang mit Geld nicht wirklich rational ist, und dass das eigentlich bedeutet, dass eine der Grundannahmen unserer vorherrschenden Wirtschaftslehre, die des rationalen Entscheiders, besser in der relativierten Form weiter diskutiert werden sollte.

    Zuerst zum Praktischen. „Nennen Sie bei Geldverhandlungen einen Betrag, bevor Ihr Gegenüber das tut, außer Sie haben keine Ahnung, was angemessen sein könnte.“ „Wenn Sie ein nukleares Endlager bauen wollen, versuchen Sie nicht, das durch Entschädigung der Anwohner zu erreichen.“ „Wenn Sie mit Freunden ins Restaurant gehen, stimmen Sie der gemeinsamen Rechnung erst zu, wenn alle bestellt haben.“ 32 Schlussfolgerungen dieser Art hat die Autorin am Ende des Buches zusammengefasst. Hinter jedem der Sätze steht eine wissenschaftliche Studie, was sie kombiniert über unsere Welt aussagen, ist nicht ausgewertet.

    Will man selbst über die Rolle des Geldes und unseren Umgang damit Schlussfolgerungen ziehen, sind viele der referierten Studien nützlich. Da wäre zum Beispiel die Studie mit dem 3D-Puzzle. Drei Gruppen hatten ein Puzzle zu erledigen. Nach 13 Minuten ging der Versuchsleiter das „Spiel“ unterbrechend aus dem Raum, mit dem Hinweis, dass die Teilnehmer jetzt Anderes tun könnten (Zeitschriften lagen zum Beispiel auf). Die Gruppen arbeiteten trotzdem weiter. Ein anderes Mal wählte man eine Gruppe aus, der man für das Fertigstellen des Puzzles Geld versprach. Diese Gruppe reagierte dann anders auf die Pause: Viele Ihrer Mitglieder nahmen die Pause nun als Pause wahr. Am fleißigsten auch in der Pause war freilich eine Gruppe, der man kein Geld bot, die man aber zu Beginn der Pause mit Lob überschüttete.

    Hammond: „Wir lassen zu, dass Geld unser Denken kontrolliert, und das immer wieder auch in kontraproduktiver, wenn nicht gar zerstörerischer Art und Weise.“ (S. 18) Ihr Buch will uns im Alltag helfen, besser zurecht zu kommen. Man kann es aber auch lesen, um unser Denken über unser Wirtschaftssystem grundsätzlich zu hinterfragen.

    Bei Amazon kaufenHammond, Claudia: Erst denken, dann zahlen. Die Psychologie des Geldes und wie wir sie nutzen können. Stuttgart: Klett-Cotta, 2017. 432 S., € 18,95 [D], 19,60 [A]; ISBN 978-3-608-96116-4

     

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