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    David Sax über das Analoge und reale DingeEinst liebten wir Vinyl-Schallplatten, dann vergaßen wir sie, jetzt lieben wir sie wieder. Was war geschehen? Schallplatten, Papierprodukte, Fotografie und Brettspiele. Das sind analoge Produkte. Sie stehen in Konkurrenz zu Streamingdiensten, Touchscreens, Mobilkameras mit Fotolinse und der Playstation. Zuletzt holten die analogen Produkte wieder auf: Jeder, der in Elektromärkte geht, sieht heute mehr Schallplatten. Und rund um Schreibblocks ist eine neue, kreative Industrie entstanden. Kommt das Analoge zurück? Und wenn ja: Warum? Diesen Fragen geht David Sax in seinem Buch „Die Rache des Analogen“ nach. Er teilt das Buch in zwei Hälften. Zuerst redet er über die Rache der analogen Dinge. Dann folgt die Hälfte mit der Rache der analogen Ideen.

    „Die Rache des Analogen findet jetzt statt, eben genau weil die digitale Technologie so verdammt gut geworden ist.“ Die Übermacht des Digitalen habe das Analoge wertlos erscheinen lassen und habe eine Entwertung der andern Technologien bewirkt. Aber im Lauf der Zeit habe sich das Werteverständnis geändert. „Die inhärente Ineffizienz des Analogen ist auf einmal begehrt, seine Schwäche wird wieder als Stärke gesehen.“ (S. 17)
    „Analoge Erfahrungen bieten uns nicht nur die Freunden und Belohnungen der wirklichen Welt – das kann Digitales nicht –- , manchmal sind sie auch ganz einfach leistungsfähiger. Wenn man etwa einem Gedanken ungehindert freien Lauf lassen möchte, ist der Stift immer noch mächtiger als die Tastatur und der Touchscreen.“ (S. 18) Das Argument wird auch plausibel, wenn man an das Bildungswesen denkt. Die Digitalisierung macht Wissen immer mehr Menschen zugänglich, Kurse sind auf Youtube zu hören und zu sehen, jeder kann sich fortbilden, sobald er Zugang zur digitalen Welt hat. Fast jeder, der aber sowohl Kurse in der analogen als auch Kurse in der digitalen Welt erlebt hat, weiß um die Vorteile, die sich im Analogen ergeben. Was immer die Ursache ist (Die eingeschränkte Möglichkeit sich abzulenken? Die Aufmerksamkeit fördernde Tatsache, selbst gesehen zu werden?), die Erfahrungen mit Digitalem schufen die Voraussetzungen für einen gerechten Vergleich. Wie in diesem Beispiel so geht es in vielen zu: Keineswegs ist die Digitalisierung eine Sackgasse, aus der man sich nun wieder herausbewegt. Aber es zeichnet sich ab, dass wir nicht nur diesen Weg gehen wollen, da auch der Weg des Analogen viel zu bieten hat. Es kommt darauf an, wie man sich fortbewegen und wo man hin will.

    Sax verdichtet sein Argument am Ende des Buches: „Überall dort, wo das digitale Leben zu einer realen und dauerhaften Einrichtung geworden ist, entscheiden sich mehr und mehr Menschen ganz bewusst für das Analoge, das mehr verlangt, sowohl materiell als auch in Bezug auf unsere Zeit und unsere intellektuellen Fähigkeiten. Und dennoch entscheidet sich eine steigende Anzahl der Menschen dafür.“ (S. 289) Die Gründe seien Vergnügen (echte Dinge anfassen), Gewinn (es entsteht ein postdigitaler Markt), das wachsende Wissen über die negativen Auswirkungen omnipräsenter digitaler Technologien und die Möglichkeit uns mit analogen Werkzeugen viel tiefer mit anderen Menschen zu verbinden.

    Bei Amazon kaufenSax, David: Die Rache des Analogen. Warum wir uns nach realen Dingen sehnen. Salzburg/Wien: Residenz-Verl., 2017. 272 S., € 24,- [D, A] ISBN 978-3-701734078

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