100 Jahre vorspulen

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    Wer „The Age of EM“ liest, erlebt ab dem ersten Kapitel eine besondere Art des Denkens: Spekulatives Denken, das die Zukunft entwirft, errät, dabei provoziert. Zukunftsbücher dieser Art entstehen am häufigsten in den USA und werden dort von Universitätsverlagen herausgebracht. Robin Hansons Buch ist ein Feuerwerk.

    Das ist Hansons Idee: Eines Tages, sagen wir in 100 Jahren,  gelingt es den Menschen, ein (sich auszeichnendes) menschliches Gehirn zu scannen  und seine Zellstrukturen und Verbindungen in einem Computer so zu reproduzieren, dass es dieselben Signale abgibt. Dadurch entstehen Ems („Emulations“ / „Nachbildungen“).

    Diese Ems werden dann die Welt bevölkern. Hanson beschreibt, wie diese Welt aussehen wird, ob es noch Platz für Menschen gibt, wie sie Ems untereinander organisieren, was es für Produktion, Krieg und Frieden bedeuten wird. Seine Methode ist die Logik und der „qualified guess“, das begründete Raten. Wie das funktioniert, sei anhand von ein paar Zeilen skizziert:

    Ems werden sich reproduzieren, indem sie Kopien von sich machen, die damit alles Wissen der Vorlage übernehmen. Ab dem Abschluss der Kopie werden sie dieses Wissen aber mit abweichenden Erfahrungen ergänzen. Da die Ursprungskopien von fachlich ausgewählten menschlichen Hirnen erfolgte, sind auch die Ems im Durchschnitt übermäßig intelligent. Die Ems werden nach Clans unterscheidbar bleiben, ja nachdem auf welches Hirn sie ursprünglich zurückgehen. Manche Ems werden einen Roboter-Körper erhalten, viele in einer virtuellen Realität leben und arbeiten.

    Freilich: Genau so wird es nicht kommen. Aber ob es noch unvorstellbarer oder doch vertrauter aussehen wird, kann man nicht sagen.

    Denken: spekulatives

    Bei Amazon kaufenHanson, Robin: The Age of EM:. Work, Love and Life when Robots Rule the Earth. Oxford: Oxford Univ.Press, 2016. 426 S.,  23,30 ; ISBN 978-0-19-875462-6

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