Die Menschheit schafft sich ab

    Drucken

    Der Astrophysiker und Philosoph Harald Lesch, bekannt u. a. durch seine ZDF-Sendung „Leschs Kosmos“, hat sich dem Zustand der Erde zugewandt. In dem gemeinsam mit Klaus Kamphausen verfassten Band „Die Menschheit schafft sich ab“ beschreibt er nicht nur die Entstehung des Planeten sowie des Lebens darauf, sondern widmet sich insbesondere der bislang letzten Epoche der Evolutionsgeschichte, die mit dem Klimaforscher Paul Crutzen als „Anthropozän“ bezeichnet wird.

    Untermauert durch zahlreiche Farbbilder und Grafiken, zeigen Lesch/Kamphausen in ihrem Spiegel-Bestseller einmal mehr auf, wie die globalen Ökosysteme gegenwärtig übernutzt werden. Ob die Degradation der Böden, die Verknappung des Trinkwassers, die Abholzung der Regenwälder oder die Leerfischung der Meere – die Autoren geben einen eindringlichen Bericht über die Folgen des konsumorientierten Lebens- und Wirtschaftsstils. Der Rohstoffhunger der industriellen Produktionsweise wird ebenso dargelegt wie seine Kehrseite, die sich auftürmenden Müllberge.

    Im Kapitel „Metropolen und Mobilität“ illustriert eine Weltkarte die „globale Vernetzung“ durch Straßen, Schiffs- und Flugverkehr sowie Tiefseekabel. An die 90 Millionen Automobile werden derzeit weltweit pro Jahr hergestellt, das entspricht 170 neuen Fahrzeugen pro Minute, die den Planeten „betreten“. In einem der größten Häfen der Welt, in Shanghai, werden in einem Jahr mehr als 30 Millionen Container bewegt. Die Zahl der Flugpassagiere soll sich von heute 3,5 Milliarden bis 2030 verdoppeln.  Soweit einige der vielen Zahlen, die in diesem Buch zu finden sind (S. 377 ff.).

    Interviews, die Lesch für seine Fernsehsendungen geführt hat, vertiefen Einzelaspekte der behandelten Themen. Zu Wort kommen etwa Ernst U. v. Weizsäcker und der Beschleunigungstheoretiker Hartmut Rosa. Porträts von Nichtregierungs-Organisationen wie Greenpeace, WWF, Brot für die Welt oder Germanwatch sollen zeigen, dass es auch Gegenstimmen und -aktivitäten zu den geschilderten Entwicklungen gibt.

    Lesch setzt also auf zivilgesellschaftliches Engagement, das zur Umsteuerung führen soll. Und er hofft wider die „Unbelehrbarkeit des Menschen“ (so das Schlusskapitel) auf die Fähigkeit, dass wir instinktiv doch noch die Entscheidung für eine Wende treffen werden. Aus emotionaler Berührtheit („mit dem Herzen verstehen“, S. 510) könnten wir es schaffen, unseren Enkeln letztlich eine lebenswerte Welt zu hinterlassen, so der freilich nicht ganz befriedigende Ausblick des aufrüttelnden Buches. Hans Holzinger

     Lesch, Harald; Kamphausen, Klaus: Die Menschheit schafft sich ab. Die Erde im Griff des Anthropozän. München:
    Komplett Media, 2017. 515 S.,  € 29,95 [D], 30,80 [A] ;
    ISBN 978-3-8312-0424-3

    Vgl. auch den Youtube-Kanal zum Buch http://video-zukunft-erde.net

    Leave a Reply

    sechzehn + 3 =