Redefreiheit sichern

    Drucken

    ashDamit die Auseinandersetzung über Ideen funktionieren kann, ist die Redefreiheit konstitutiv. Timothy Garton Ash hat sich deswegen mit der „Redefreiheit“ auseinandergesetzt. Er macht dies konstruktiv: Zwar räsoniert er über philosophische Fragen in diesem Zusammenhang, er kommt aber auf den Punkt. Er legt zehn Regeln für die Redefreiheit vor, die man doch auf dem Planeten als Grundlage akzeptieren möge. Das hört sich so an: „Ein Minimalkonsens würde darin bestehen, die ersten beiden Prinzipien zu unterstützen, auch wenn man mit den anderen nicht mehr einverstanden ist.“ (S. 573) Was sind nun diese beiden Regeln, die er für zentral hält? Erstens: „Wir – alle Menschen – müssen in der Lage und befähigt sein, frei unsere Meinung zu äußern und ohne Rücksicht auf Grenzen, Informationen und Ideen zu suchen, zu empfangen und mitzuteilen.“ Zweitens: „Weder drohen wir mit Gewalt, noch akzeptieren wir gewaltsame Einschüchterung.“

    Die Regeln drei bis zehn sind kontroverser, nimmt der Autor an. Seine Vorschläge: 3) Wir nutzen jede Chance, Wissen zu verbreiten und tolerieren hierbei keine Tabus. 4) Wir benötigen unzensierte, vielfältige und vertrauenswürdige Medien, um gut informiert Entscheidungen zu treffen und vollständig am öffentlichen Leben teilzuhaben. 5) Wir sprechen offen und mit robuster Zivilität über alle Arten von Unterschieden zwischen Menschen. 6) Wir akzeptieren alle Gläubigen, aber nicht unbedingt alle Glaubensinhalte. 7) Wir sollten unsere Privatsphäre schützen und Rufschädigungen entgegentreten können. Jedoch sollten wir auch Einschränkungen der Privatsphäre akzeptieren, sofern dies im öffentlichen Interesse ist. 8) Wir müssen ermächtigt werden, Einschränkungen der Informationsfreiheit zu hinterfragen, die etwa mit dem Schutz der nationalen Sicherheit begründet werden. 9) Wir verteidigen das Internet und andere Kommunikationsmittel gegen illegitime Eingriffe durch öffentliche und private Mächte. 10) Wir treffen unsere eigenen Entscheidungen und tragen dafür die Konsequenzen.

    Die Regeln klingen für sich genommen einfach, der Autor hat es sich aber nicht leicht gemacht. In jedem Kapitel reflektiert er alternative Sichtweisen und wägt ab. Die Privatsphäre, religiöse Gefühle, ökonomische Machtverhältnisse werden bedacht, diskutiert, ihre Berücksichtigung im Rahmen der genannten Postulate erwogen. Man sieht Garton Ash beim Nachdenken zu.

    Für Garton Ash ist die Redefreiheit ein Instrument, Gewalt zu vermeiden. „Dies ist kein naiver, utopischer Versuch, Konflikte abzuschaffen. Das wird nie geschehen, und wenn doch, wäre das Ergebnis eine sterile, ausgebleichte Welt. Doch unsere unvermeidlichen, unverzichtbaren, kreativen Konflikte können friedlich ausgetragen werden – mit dem Kampf der Worte und nicht mit Mord und Totschlag.“ (S. 575)

    Bei Amazon kaufenGarton Ash, Timothy: Redefreiheit. Prinzipien für eine vernetzte Welt. München: Hanser, 2016. 687 S., € 28,- [D], 28,80 [A] ISBN 978-3-446-24494-8

    Related Posts

    Denken mit Bedeutung
    Die Erfindung des Individuums
    Die Freiheit verteidigen

    Leave a Reply

    sechs + dreizehn =