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    Die Veröffentlichung der Panama Papers hat alles übertroffen, was bisher an Enthüllungen publiziert wurde. Es begann mit einer E-Mail an den Journalisten Bastian Obermayer, den stellvertretenden Leiter des Ressorts „Investigative Recherche“ der Süddeutschen Zeitung. Ein Jahr später wurden nach umfangreichen Recherchen die geheimen Dokumente teilweise veröffentlicht. Gleichzeitig legten Obermayer und sein Ressortkollege Frederik Obermaier das hier präsentierte Buch zu den Enthüllungen vor.

    Die Süddeutsche Zeitung hat in den vergangenen drei Jahren immer wieder Beiträge gebracht, die auf geheimen (geleakten) Daten basierten. Mal ging es um Offshore-Leaks in der Karibik (Steuergeheimnisse), mal um geheime Schweizer Konten (Swiss-Leaks) oder um Luxemburgs Steuertricks (Lux-Leaks). Der Unterschied zu Wikileaks, so erklärt es einer der Autoren, besteht beim Investigativjournalismus darin, dass die Enthüllungsplattform Datensätze ins Netz stellt, ohne sie journalistisch zu filtern. Im Fall der Panama Papers wurden mit Hilfe von „400 Journalisten aus mehr als 80 Ländern“ (S. 319)  rund um den Globus die panamaischen Briefkastenkonstruktionen dutzender Staatschefs und Diktatoren, Managern, Spitzensportlern und anderen Promis veröffentlicht. Es werden Geschichten erzählt, „die erklären, wie mit Waffen, Drogen, Blutdiamanten und anderen verbrecherischen Geschäften Milliarden verdient werden, und Geschichten, die den Lesern die Steuervermeidung der Wohlhabenden und der Superreichen dieser Welt nahebringen“ (S. 16). Es geht um Offshore-Firmen, gegründet von der in Panama ansässigen Kanzlei Mossack Fonseca, die  u. a. enge Verbindungen zu der US-Steueroase Nevada unterhält. Diese Briefkastenfirmen werden einzig und allein dafür genutzt, Geschäfte zu verschleiern.

    Wer nun prominente neue Namen aus der Kundenliste der Kanzlei Mossack-Fonseca erwartet, wird enttäuscht. Ausgiebig ist zwar die Rede von Putins millionenschwerem Cellisten-Freund Sergej Roldugin, dem bereits zurückgetretenen Isländischen Premier Sigmundur David Gunnlaugsson, von Firmen und Hintermännern, die eine Verbindung zu Syriens Diktator Assad haben oder dem Weltfußballer Lionel Messie. Intensiv recherchiert wurde auch über die ehemalige ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und ihrem Vorgänger Pawel Lasarenko, die „beide in den Neunzigerjahren Millionen Dollar verschoben haben“ (S. 68). Allesamt wurden aber bereits in der tagesaktuellen Berichterstattung gebührend abgehandelt. Was dennoch detailliert erörtert wird und durchaus interessant ist, sind die technischen und juristischen Details der Panama-Briefkästen. Vieles bleibt auch nach der Lektüre weiter nebulös, wenn beispielsweise allgemein von berühmten Regisseuren und SchauspielerInnen oder von Männern die Rede ist, die große Fußballvereine besitzen. Denn nachvollziehbar dürfen nur konkrete Namen genannt werden, wenn über sie ausreichend recherchiert wurde. Dafür war und ist offensichtlich die Datenmenge zu groß. Es handelt sich nämlich um 2,6 Terabyte Daten, davon rund 11,5 Millionen E-Mails, Briefe, Faxnachrichten, Gründungsurkunden, Kreditverträge, Rechnungen und Bankauszüge als PDF-, Text- sowie Bilddaten aus den Jahren 1977 bis 2016.

    Welche Folgen werden die weltweiten Enthüllungen letztlich haben? „Konsequent angewendet, bietet Offshore einen Raum der beinahe absoluten Verantwortungslosigkeit“ (S. 308), so die Autoren. Offshore-Firmen sind zentrale Elemente der Steuertricks der multinationalen Konzerne wie Amazon, Starbucks oder Apple. Für die beiden Journalisten wäre es aber ganz leicht, das Ende der Steueroasen einzuläuten, nämlich durch ein weltweit transparentes Unternehmensregister und einen funktionierenden weltweiten automatischen Informationsaustausch über Bankkonten (vgl. S. 311). Schließlich meinen beide, dass die Panama Papers der Anfang vom Ende der Steueroasen sind. Details und aktuelle Erkenntnisse sind auch nachzulesen auf der eigenen Homepage der Süddeutschen Zeitung unter http://panamapapers.sueddeutsche.de/. Alfred Auer

     Obermayer, Bastian; Obermaier, Frederik: Panama Papers. Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung. Köln: Kipenheuer & Witsch, 2016. 349 S., € 16,99 [D], 17,50 [A]
    ISBN 978-3-462-05002-8

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