Liberalismus auf dem Prüfstand

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    steltemeierEine der großen Ideenfamilien der Geschichte ist der Liberalismus. Gleichzeitig finden wir dieses Etikett auf sehr verschiedenen Produkten. Rolf Steltemeier hat sich die Ideengeschichte des Liberalismus im Detail angesehen und versucht, Sinn daraus zu machen. Das ist ihm gelungen. Sein Buch ist eine trockene, grundseriöse und genaue Herausarbeitung der Kernelemente liberalen Denkens.

    Es muss eine Mammutaufgabe gewesen sein. Das wird klar, wenn man sich die Liste der Vordenker durchliest, die in die Ahnengalerie des Liberalismus gehören. Beginnen wir mit dem Vertragstheoretiker Thomas Hobbes, dem Denker des Staates John Locke, den Aufklärern Charles-Louis de Montesquieu, Jean-Jacques Rousseau, Immanuel Kant. Da waren aber auch Ökonomen von Adam Smith bis Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek und Walter Eucken. Aber auch Denker der Gerechtigkeit wie John Stuard Mill, John Rawls oder Amartya Sen. Diese bereits lange Liste an Namen ist nichts im Vergleich zu der Reihe der Denker, die Steltemeier aufarbeitet. Sein Ziel: Einen idealtypischen Liberalismus entwerfen, den harten Kern liberaler Anschauungen herauszuarbeiten. Unmöglich? Steltemeier kommt auf einen Punkt und das keineswegs leichtfertig, Kapitel um Kapitel verdichtet er, zuletzt indem der auch quantitativ abwägt, was eine Mehrheit der liberalen Vordenker meinte.

    „Der Gedanke eines Vertrauensverhältnisses zwischen den Bürgern und dem Staat, das vom Staat die Achtung individueller Rechte abverlangt, ist bei allen Liberalen aufzufinden.“ (S. 614) Das Heil des Menschen sei in seiner Autonomie zu finden. Dafür dienen Gewaltentrennung, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte. In der Wirtschaftspolitik vertrete der Liberalismus idealtypisch Privateigentum und freien Handel. Der Markt wird als der beste Allokationsmechanismus verstanden. Marktmechanismen dienen auch zur Reduzierung sozialen Elends. Die Sozialpolitik, so sie notwendig ist, müsse aktivierenden und nicht alimentierenden Charakter haben. In der internationalen Politik werde eine generell anti-militaristische Haltung vertreten. „Gerade das wirtschaftliche Interesse fordert letztlich friedliche Zustände für einen Großteil der wirtschaftenden Menschen.“ (S. 616) Ein Kompendium des Liberalismus, das auch zum Nachschlagen geeignet ist.

    Steltemeier, Rolf: Liberalismus. Ideengeschichtliches Erbe und politische Realität einer Denkrichtung. Baden-Baden: Nomos, 2015. 703 S., €  98,- [D], 101,- [A] ISBN 978-3-8487-2236-5

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