Die Kunst der Revolte

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    Die Möglichkeit zu „digitaler Widerständigkeit“ ist auch Thema über „Die Kunst der Revolte“. Auch in ihnen gelten Edward Snowden, Julian Assange und Chelsea Manning als entscheidende Akteure in der Auseinandersetzung um Freiheit versus Überwachung, Geheimdienste, Krieg und Terrorismus. Der französische Philosoph Geoffroy de Lagasnerie sieht in ihnen „das Auftauchen von etwas Neuem“ (S. 11), „exemplarische Figuren“ einer neuen Kunst der Revolte. Er meint damit eine neue Weise des politischen Handelns, des politischen Denkens, der Formen und Praktiken des Widerstands. Für Lagasnerie stellen diese Akteure eines neuen Widerstands die politische Bühne selbst in Frage. Und aus der Heftigkeit der staatlichen Reaktionen (darüber wurde umfangreich in den Mainstream-Medien berichtet) zeige sich, wie destabilisierend sich der Geheimnisverrat ausgewirkt habe.

    Insbesondere beschreibt der Autor den „Sonderfall eines Prozesses der Aufhebung der Unterwerfung mit Bezug auf erzwungene Identifikationen, um die Fähigkeit freizusetzen, sich neue, plurale, heterogene und flüchtige Gemeinschaften vorzustellen – und folglich auch zu realisieren.“ (S. 159f.) Als Beispiel nennt er die Aktionen von Anonymous, deren Aufrufe mit den Worten beginnen „Hallo, Bürger der Welt, wir sind Anonymous“, die damit signalisieren, sich von allen aufgezwungenen Zugehörigkeiten zu lösen, „indem man die Eigenart unserer Verknüpfung mit dem Raum und unserer Beziehungen zu den anderen politisiert“ (S. 159). Die so entstehenden selbstgewählten Gemeinschaften hätten als geistigen Horizont die Welt und über die Kunst der Revolte würden sie sich als Weltbürger definieren. Alfred Auer

    Bei Amazon kaufenLagasnerie, Geoffroy de: Die Kunst der Revolte. Snowden, Assange, Manning. Berlin: Suhrkamp-Verl., 2016. 159 S., € 19,95 [D], 20,60 [A] ; ISBN 978-3-518-58687-7

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