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     schaarDas digitale Wir: Die Digitalisierung bestimmt unseren Alltag, sowohl in der Arbeitswelt als auch im Privatleben. Peter Schaar, langjähriger Bundesbeauftragter für den Datenschutz und seit 2013 Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz (EAID) in Berlin, wirft an dieser Stelle einen Blick auf die durch die Informationstechnik bewirkten gesellschaftlichen Veränderungen und nicht primär auf Sicherheitsfragen.

    Prinzipiell hält Schaar die Zukunft für gestaltbar und hält fest, dass sich Zivilisation und menschliches Leben nicht auf optimales Funktionieren beschränken lassen (S. 204f.). Er glaubt auch, dass – trotz aller Fehlentwicklungen – die Informationsgesellschaft erhebliches demokratisches Potenzial in sich birgt. Dieses könne es aber, so Schaar, ohne verstärktes bürgerschaftliches Engagement nicht geben. Wie aber kann das Internet demokratische Prozesse befördern? Der Autor schlägt vor, z. B. Planungsverfahren zu visualisieren, d. h. Planungsunterlagen in einem digitalen Raum zur Verfügung zu stellen, damit Interessierte leichter an die Informationen über die geplanten Baumaßnahmen herankommen und so mitreden können.

    Schaar warnt wie Drösser vor der absehbaren Tendenz, dass Computer anhand von Algorithmen selbst entscheiden können. Der Fall ist dies längst, „etwa bei der geforderten Wahl der Zahlungsmethode im Internethandel (Bestellung auf Rechnung oder nur gegen Vorkasse) oder an der Supermarktkasse (Autorisierung der Zahlung per EC-Karte mit der PIN oder mit der Unterschrift), bei der Einsortierung eines Anrufers in die Warteschleife bei Telefonservices“ (S. 171f.).

    Chancen und Risiken

    Der Autor analysiert sowohl die Chancen als auch die negativen Auswirkungen der Digitalisierung, wobei er die Chancen, was die demokratische Teilhabe und die Schaffung einer offeneren und besseren Welt betrifft, nicht sonderlich positiv bewertet. Er hält die im Internet stattfindende politische Kommunikation im Vergleich zum Gesamtvolumen für sehr gering; und der Seitenblick auf die gescheiterte Twitter-Revolution im Iran stimmt ihn auch nicht gerade optimistisch. Zudem sind wir derzeit ohnehin mehr mit den negativen Seiten – mit Überwachung und Kontrolle im Gefolge des NSA-Skandals – konfrontiert. Es gebe zwar kein Allheilmittel, ist sich Schaar sicher, es gelte aber, Transparenz dazu zu nutzen, die Überwacher zu überwachen. Alfred Auer

    Bei Amazon kaufenSchaar, Peter: Das digitale Wir. Unser Weg in die transparente Gesellschaft.  Hamburg: ed. Körber-Stiftung,220 S., € 17,- [D], 17,50 [A]; ISBN 978-3-89684-168-1

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