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    Es ist wohl kein Zufall, so der Journalist Norbert Suchanek zu Beginn seiner Ausführungen, dass „die Bevölkerung eines Landes, das wie kaum ein anderes in der Welt zuasphaltiert und zubetoniert ist und wird, gleichzeitig Reiseweltmeister ist“ (S. 6). Aber nicht nur die Deutschen reisen gerne, laut Prognose der WTO (Welttourismusorganisation) werden im Jahr 2000 an die 700 Mio. Menschen ins Ausland verreisen und dabei 990 Mia. Mark ausgeben. 2010 werden schon eine Mia. Touristen 2,6 Bio. Mark unter die Leute bringen. Unbestritten ist heute der Tourismus der am schnellsten wachsende Wirtschaftszweig ‑ 115 Mio. Menschen sind direkt in der Urlaubsbranche beschäftigt, weitere 150 Mio. Arbeitsplätze hängen vom Tourismus ab.

    Seit den 90er Jahren, so der Autor, steigen v. a. drei gefährliche Tourismustrends steil an: Fernflugtourismus, All-inclusive-Tourismus und Kreuzfahrttourismus. Ein Kreuzfahrtschiff mit 1.200 Passagieren und Crew produziert 4.200 kg Abfall pro Tag, nicht eingerechnet andere Schadstoffe wie ölhaltiges Schmutzwasser, Fäkalien und Abwasser. Leidtragende sind u. a. die Korallenriffe, die Pinguine und Wale an den Polen und nicht zuletzt die Karibikhäfen, wo sich die Hälfte des Internationalen Kreuzfahrtgeschäfts abspielt.

    Weitere kritische Anmerkungen macht der Autor zum Golf- , Jagd-, Kindersex- und Sextourismus, aber auch zum Verhältnis von Tourismus und Indigenen sowie über die Schuldenfalle Tourismus. Ein Großteil der Gewinne (über 50%) beispielsweise aus den Hotelanlagen der Dominikanischen Republik wandert in die Taschen der internationalen Hoteleigner.

    Auch die Natur- bzw. Öko-Variante stellt bisher noch keine echte Alternative zum aktuellen, umweltschädlichen Tourismus dar. Der „gegenwärtige Öko-Tourismus (ist) nur eine zusätzliche Gefahr für die biologische und kulturelle Vielfalt unseres Planeten“ (S. 14). Sollte der Öko- und Fair-Trade-Tourismus tatsächlich eine Chance zur Rettung der Biodiversität sein, so Suchanek, müsste er die bestehenden Tourismusformen ersetzen und nicht wie bisher nur ergänzen. Alternative Projekte ‑  von „Fair Unterwegs“ über den Menschenrechtstourismus der Regenwaldschutzorganisation ACERCA bis hin zum „Wellness-Tourismus“ ‑ gibt es inzwischen viele. Angesichts der zahlreichen „dunklen Flecken“ sowohl im Bereich des Rucksack- als auch des Pauschaltourismus äußert sich der Autor aber pessimistisch zu Chancen und Auswirkungen von alternativen Modellen. Wir halten es mit Robert Jungk, der Zeit seines Lebens daran glaubte, dass auch das kleinste Samenkorn positiver Veränderung viel bewirkt. A. A.

    Suchanek, Norbert: Ausgebucht. Zivilisationsfluch Tourismus. Stuttgart: Schmetterling, 2000. 139 S., DM 19,80 / sFr 19,- / öS 145,-

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